„Die Welt ist böse.“ „Die Menschen sind schlecht.“ „Immer trifft es mich.“

Schon wieder wurde das Kind in der Schule vom Lehrer benachteiligt. Es leidet, es fühlt sich hilflos, ohnmächtig der Lehrkraft ausgeliefert. Die es süffisant grinsend abfragt, obwohl es letzte Stunde krank war. Die ihm jedes Mal die schlechtere Note gibt. Die ihm nur das letzte, unbeliebte Referatsthema überlässt. Das ist Mobbing, denke ich mir. Wie gemein! Ich fühle mit. Diese Hilflosigkeit macht einen schier wahnsinnig! Ausgeliefert einer höheren Macht.

So und ähnlich geht es vielen Kindern nicht nur in der Schule, sondern auch in der Arbeitswelt zahlreichen Erwachsenen. Das Gefühl, nichts tun zu können, Opfer zu sein. Es macht Menschen krank.

Doch was tun? Sind wir wirklich so hilflos, wie wir meinen? Manchmal finden wir doch Wege, uns zu wehren, für uns einzustehen. Auch wenn ein Preis dafür zu bezahlen ist. Vielleicht bedeutet es, dass ein Schulwechsel nötig ist oder ein Wechsel der Arbeitsstelle. Dafür gibt es einem jedoch die Selbstachtung zurück und das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Das wiederum ist so wertvoll, dass es fast jeden Preis wert ist zu bezahlen. Alles andere, wie ein weiteres Stillhalten des Kaninchens vor der Schlange, bringt uns unweigerlich ins AUS. Natürlich ist eine so drastische Maßnahme nicht das erste Mittel der Wahl. Gespräche um die Bewusstmachung der Notlage sollten zuerst genutzt werden. Am besten mit einem GfK geschulten Mediator.

Zum einen will ich Lehrer sowie Chefs oder Führungskräfte so gerne aufrütteln und ihnen bewusst machen, was sie mit dergleichem Verhalten eigentlich tun und welch große Verantwortung sie tragen. Hier sollte in Führungsetagen viel mehr darauf geachtet werden, ob diese Person auch menschlich geeignet ist zu führen.

Zum anderen will ich alle vermeintlichen „Opfer“ ermuntern, sich frei zu fühlen. Du entscheidest, wie du umgehst, mit allem, was dir zustößt. Du kannst vieles, was dir im Leben widerfährt, nicht ändern oder rückgängig machen. Immer jedoch hast du die Freiheit, deine Einstellung  zum Geschehenen zu ändern. Im Geist und im Herzen bist du immer frei. Diese wichtige Erkenntnis hatte Viktor Frankl sogar in der Gefangenschaft des Konzentrationslagers!

Du bist kein Opfer, wenn du es nicht zulässt. Lass dich selbst nie zum Opfer machen. Steh für dich ein, hol dir Hilfe und werde aktiv. Für deine Selbstachtung sollte es dir den Preis wert sein.

Wenn du glaubst, gar nichts im Außen ändern zu können, halte es wie Frankl und ändere wenigstens deine Einstellung: Sieh den anderen als Menschen, der scheinbar sehr wichtige Bedürfnisse unerfüllt hat. Er kann dir leid tun. Sein innerer Schmerz muss offenbar so groß sein, dass er ihn als Boshaftigkeit nach außen kehrt. Im Grunde hat sein Verhalten wenig mit dir zu tun. Es sagt aber ganz viel über ihn als Menschen aus.

Das sollte dich etwas erleichtern und du brauchst deinen Selbstwert nicht in Frage zu stellen. Gib dir selbst ganz viel positive Rückmeldung, suche dir gute Freunde, die dich unterstützen und dir vermitteln, dass du in Ordnung bist. Irgendwann strahlst du so viel Positives aus, dass Mobber bei dir keine Chance mehr haben. Sie wollen es vielleicht nicht einmal mehr versuchen.

Und wenn du beobachtest, dass über andere gelästert wird oder sie benachteiligt werden, dann steh für sie ein. Weigere dich, mitzulästern oder auch nur stumm zuzuschauen.

Die Welt ist böse? Du bist ein Teil dieser Welt! Sei du die Veränderung, die du dir wünschst. Sammle das Gute in dir an und um dich herum und es wird sich ausbreiten. Es werden immer mehr „Lichtfinder“. Gemeinsam machen wir die Welt heller.      Kirstie Bee

So kam vor kurzem der frustrierte Ausruf einer Seminarteilnehmerin, die zu Hause in schönster GfK Manier ihr inneres Brodeln in braven 4 Schritten zum Ausdruck gebracht hatte und dann von ihrem Freund eine Antwort bekam, die wiederum Ärger in ihr hervorrief. Sie brachte ungefähr Folgendes zum Ausdruck: „Ich beobachte, dass jedes Mal, wenn ich am Wochenende bei dir bin, übermäßig viel Arbeit anfällt. Ich bitte dich, das unter der Woche zu erledigen.“ Der Mann reagierte mit einer Rechtfertigung. Er erklärte lang und breit, warum er unter der Woche nicht dazu gekommen war.

Das wiederum ärgerte meine Teilnehmerin und sie behauptete: Die GfK funktioniert einfach nicht. Sie hätte sich gewünscht, dass die Bitte einfach gut ankommt und bei ihrem Freund ihre friedliche, gewaltfreie Wirkung entfaltet. Stattdessen hatte der sich scheinbar angegriffen gefühlt.

Was war da passiert? Warum funktioniert GfK manchmal irgendwie nicht?

Warum „funktioniert“ es immer wieder nicht, sich spannungsfrei auszutauschen über die eigenen Bedürfnisse und Anliegen, auch wenn man sich scheinbar genau an die 4 Schritte hält?

  • Die Haltung ist entscheidend

Erstens bin ich der Meinung, dass die Brückenkommunikation letztlich immer funktioniert, wenn ich in der inneren Haltung „Ich will Verbindung zu Dir“ bleibe. Dann kann auch ein explosiverer Austausch über das, was einem wirklich am Herzen liegt, der Beziehung nichts anhaben. Anders sieht es aus, wenn bei einer falschen Antwort sofort die Beziehung an sich in Frage gestellt wird. Wenn der eine Partner befürchten muss, der andere dreht sich gleich um und sagt: „Ich fahre besser wieder heim. Es ist einfach nichts mit uns beiden.“

Diese Haltung, in Verbindung bleiben zu wollen, egal was passiert (bzw. da müsste schon ein richtiger Tsunami kommen), ist die Grundvoraussetzung, dass „die GfK funktioniert“. Dann ist es auch nicht mehr so entscheidend, ob exakt die vier Schritte eingehalten wurden und ob diese wirklich auch GfK-Schritte waren.

  • Waren es wirklich 4 GfK Schritte?

Wenn aber schon diese innere Haltung eine wackelige ist, treten Schnitzer bei der Ausführung dieser vier Schritte stärker zu Tage. Sie fallen schwerer ins Gewicht. Betrachte ich mir die Äußerungen der Teilnehmerin genauer, hat sie zwar von einer Beobachtung gesprochen, jedoch war diese ziemlich verallgemeinernd. „Jedes Mal wenn…“ und „übermäßig viel“ sind zum einen pauschalisierende, zum anderen auch sehr subjektiv gefärbte Aussagen. Das reizt geradezu zum Widerspruch bzw. zur Rechtfertigung beim Partner.

„Die letzten beiden Samstage warst du mit Großeinkauf, Bürokram und Reparaturarbeiten beschäftigt. Uns blieb nur der Abend zusammen.“ Das wäre eine sehr viel konkretere Beobachtung, die der andere auch gut nachvollziehen kann. Oben nochmal hingeguckt, fehlt bei der „gewaltfreien“ Aussage der Frau ganz klar das Gefühl und das Bedürfnis. Während das Gefühl auch mal ausgelassen werden kann, ist es doch für den Partner wichtig zu verstehen, warum und woher diese Bitte jetzt kommt und weshalb man ihr nachkommen sollte. Das Bedürfnis ist das Herzstück der Aussage!

Ist die Freundin sauer, ist sie frustriert?(Gefühl) Weil ihr gemeinsame Zeit mit dem Partner sehr wichtig ist? (Bedürfnis) Hätte sie das dazu gesagt, würde er sich sogar geschmeichelt und geliebt fühlen. Stattdessen hörte er das Gesagte als Vorwurf, sein Leben nicht richtig zu organisieren und sich für seine Partnerin nicht genügend Zeit zu nehmen. Er wollte wiederum erklären, dass es nicht an fehlender Wertschätzung für sie lag, sondern daran, dass er drei Tage auf Geschäftsreise gewesen war und deshalb so viel auf‘s Wochenende gefallen war.

  • Brückenkommunikation ist Austausch und Verbindung

Brückenkommunikation ist immer ein Austausch. An der Reaktion deines Gegenübers wirst du erkennen, wie „gewaltfrei“ deine Aussage wirklich formuliert war. Erwarte auch bitte nicht, dass du mit einer Wand redest und auf eine gewaltfreie Aussage nur ein friedliches Lüftchen zurück weht.

  • Mein Bedürfnis UND dein Bedürfnis

Der andere ist ein Mensch, dem du etwas mitteilen wolltest. Du möchtest die Verbindung behalten und du willst, dass er ganz klar versteht, was genau dir gerade Probleme bereitet. Er soll verstehen, was bei dir dahinter steckt. Das ist ganz essentiell: WAS WILLST DU WIRKLICH? Was also ist das Bedürfnis, das unerfüllt ist?

Dieser angesprochene Mensch hat ein Recht, darauf zu reagieren. In der normalen Welt, unter lauter Wölfen, kann es sein, dass er wie ein Wolf reagiert. In jedem Fall reagiert er aus seinem Bedürfnis heraus. Wenn du in der verbindenden Haltung bleiben willst, kannst du ihn wiederum abholen: „Bist du betroffen, weil es dir wichtig ist, in deinem guten Willen gesehen zu werden?“ oder weniger gestelzt: „Willst du mir vielleicht mitteilen, dass ich dir durchaus wichtig bin?“

  • 4 Schritte + Nachfragen

Da die eigene Aussage, ist sie auch noch so gewaltfrei konstruiert, immer auch ganz anders beim anderen ankommen kann, ist es oft wichtig, noch eine Frage an die 4 Schritte anzufügen: „Wie geht es dir, wenn du das hörst?“ oder „Magst du mir bitte nochmal sagen, was bei dir angekommen ist?“

Das sollte dich nämlich auch interessieren. Was hat der andere verstanden? Was ist bei ihm/ihr angekommen? Hier können schon viele Missverständnisse ausgeräumt werden. Dabei in der verbindenden Haltung zu bleiben, ist mindestens die halbe Miete.

  • 4 Schritte und gut?

Zusammenfassend will ich damit sagen: Es reicht nicht, irgendwie einen Teil dieser 4 Schritte in die Welt zu rufen und zu hoffen, dass die Bitte beim anderen dann gut ankommt. Es bleibt ein Austausch, ein Tanz der Giraffen (hoffentlich!), ein Hin und Her, ein Ringen um das Vermitteln dessen, was mir selbst wichtig ist. UND ein Sich-Interessieren für  das, was gerade im Gegenüber vor sich geht. Eine Brücke zu bauen von meinem Bedürfnis, das ich dir offenbare, zu deinem Bedürfnis, für das ich mich interessiere. Also:

  • Worum geht es uns beiden wirklich?

Nur dann entsteht Verbindung bzw. bleibt diese erhalten. Hat jemand gesagt, dies wäre einfach?

Ist es nicht, doch sehr lohnenswert! Allein das Bemühen und Ringen darum wird einen großen Unterschied in deiner Kommunikation und damit in deinen Beziehungen ausmachen.