Transkript der Podcastfolge 126 des Lichtfinder Lebensfreude Podcasts mit Kerstin Bulligan

Du kannst sie HIER direkt hören.(Der Link führt zu Google Podcasts.)

(Intro) Mit Invisalign Schienen podcasten

Die letzte Folge ist eine Weile her. Ich war im Urlaub, Ich hab mich erholt, dann war ich beim Zahnarzt und konnte ein paar Tage nicht gut sprechen, dann hab ich die Steuer für 2022 fertig gemacht und fast mich dabei fertig gemacht… Schnupfen bekommen. Siehe Folge: Voll verschnupft… und  – 

Also nochmal zum Sprechen… falls ich heute etwas seltsam klinge, wie ein süßes 3jähriges oder ein Teenager mit Zahnspange…Diese Folge ist aufgenommen nach genau 7 Tagen Invisalign Tragen. Ich hab nämlich seit einer Woche diese teuren Schienen, die tatsächlich ziemlich durchsichtig und naja, einigermaßen unsichtbar sind. Sie sollen bei mir in angeblich nur 14 Wochen für gerade Zähne sorgen. Ich hatte nämlich früher als Kind nur eine lockere Spange und keine feste.  

Die s-Laute sind ziemlich schwierig, am Anfang konnte ich kein Z sagen, und schnelle s hintereinander wie bei Süßes, sind immer noch ganz schon herausfordernd.  

Na ja, jedenfalls soll ich diese Schienen mindestens 20-22 Stunden am Tag tragen und nur zum Essen herausnehmen.  Ich dachte nur, vielleicht interessiert es jemanden, ob man mit den Dingern podcasten kann. Man kann… ob es akzeptabel klingt, das müsst ihr entscheiden. 

Das Thema heute betrifft mich durchaus immer wieder selbst und deshalb hab ich mich ihm gestellt und habe bereits begonnen, es für mich anzugehen. Es geht um zu viel Zeit am Handy. Es hat mich vor einiger Zeit so sehr genervt, wie oft ich an diesem Gerät war. Ein Blick auf die Bildschirmzeit hat mich fast vom Hocker gehauen. Ich verbringe zwar zu 95 % Zeit beruflich am Handy doch selbst das ist mir zu viel. So will ich auf Dauer einfach nicht leben. Deshalb: diese Folge ist für mich selbst und für dich und für jeden, der mehr offline Lebensqualität zurück haben möchte. 

(ab Minute 7 im Podcast:)

Handysüchtig? – Das brauchst du wirklich 

Vermutlich hast du den Wunsch, weniger von deinem Handy abhängig zu sein. Vielleicht nimmt es dir etwas von deiner Lebendigkeit, stiehlt dir wertvolle Zeit, du fragst dich, wo sie hin verflogen ist? 

Vielleicht leiden deine Beziehungen darunter, dass dein Handy wichtiger erscheint als alles andere? 

Vielleicht hast du ein kleines Kind und möchtest präsenter für es da sein und ihm das Gefühl geben, wichtig zu sein – doch dein Handy bestimmt immer wieder deine Zeit und bindet deine Aufmerksamkeit? 

Oder vielleicht bist du auf diesen Artikel oder Podcast gestoßen, weil jemand, der dir wichtig ist, nur noch am Handy ist und du möchtest wissen, warum und wie das zu ändern wäre? 

Was steckt hinter Handysucht?

Mögliche Schäden durch zu viel Handy 

Ein Grund, warum ICH weniger Handy will ist auch: ich will nicht dauernd gebeugt nach unten starren. Das ist für die Augen sehr belastend, fördert trockene Augen und der gebeugte Nacken und Oberkörper mit den üblicherweise eingefallenen Schultern signalisieren dem System: schlechte Stimmung. Die gebeugte Körperhaltung bedeutet: kaum Raum zum Atmen, die Muskeln verspannen sich, der Blick ist nach unten gerichtet. Alles Symptome von Angst, Erstarren, Stress ohne Fluchtmöglichkeit. Ganz schlechte Signale an das vegetative Nervensystem. Es fördert das Entstehen von depressiven Verstimmungen. Man kann nicht glücklich, gelöst und fröhlich sein, solange man sich in dieser nach vorne gebeugten Körperhaltung befindet. Und dennoch nehmen wir diese Haltung TÄGLICH mehrere Stunden lang freiwillig ein! Kein Wunder, dass immer mehr Menschen psychische Probleme haben.  

Doch es ist fast oder tatsächlich schon eine Sucht geworden. Eine Gewohnheit die wir regelmäßig brauchen, die wir nicht aufgeben wollen, obwohl es uns bewusst ist, dass sie schädlich ist. (Nacken- und Rückenschmerzen, Kopfweh, trockene Augen) Die sich steigert in Dauer und Intensität. Wichtige Merkmale einer Sucht! 

Warum tun wir uns das an? Warum nehmen wir sogar Schäden in Kauf wie ein Alkohol- oder Drogensüchtiger, wie ein Fress- oder Magersüchtiger, wie ein Spielsüchtiger? 

Weil es uns sooo wichtig ist, dieses Bedürfnis, das wir erfüllt haben wollen. Und wir kennen und nutzen nur noch diese EINE Strategie um es zu erfüllen. Weil es ein paar Mal funktioniert hat und uns gute Gefühle gemacht hat. Doch irgendwann ist der Punkt erreicht, wo die Negativaspekte überwiegen. Wo du dir denkst: Wo ist meine Lebenszeit hin? Ist das mein Leben? Will ich so weitermachen oder macht es mich auf Dauer kaputt?  

Hinter jeder Sucht steckt eine Suche 

Es ist die Suche nach etwas, womit man sich ein gerade wichtiges Bedürfnis erfüllen kann. Vermutlich ist dieses Bedürfnis auch nicht nur ein gerade aktuelles, akutes, sondern von essentieller Wichtigkeit für diesen Menschen.  

Deshalb ist an dieser Stelle ein kleiner Exkurs nötig mit Hintergrundwissen zum Thema Bedürfniserfüllung: 

Alle Menschen haben zwar dieselben Bedürfnisse, denn Bedürfnisse sind universell. Es gibt körperliche, psychische, soziale und spirituelle Bedürfnisse. Nur haben wir dieselben Bedürfnisse meist nicht zur selben Zeit und auch nicht in derselben Ausprägung.  

Diese unterschiedliche Ausprägung ist kulturell bedingt, altersbedingt oder von anderen Variablen abhängig wie dem sozialen Umfeld und den daraus entstandenen Werten eines Menschen. Der Charakter entscheidet außerdem über die Wichtigkeit der Bedürfnisse, die Priorisierung.  

 

Es gibt essentielle Grundbedürfnisse und Wachstumsbedürfnisse nach Maslow. Es gibt 4 psychische Grundbedürfnisse nach Klaus Grawe: Kontrolle/Orientierung (Sicherheit), Lustgewinn und Unlustvermeidung (hin zu – weg von), Bindung (und Autonomie!?), Selbstwerterhöhung (Anerkennung, Wertschätzung).

Übergeordnet nach Grawe ist diesen 4 Grundbedürfnissen das Bedürfnis nach Stimmigkeit, Konsistenz mit den eigenen Werten, der Wunsch, ein sinnhaftes Leben zu führen („Konsistenztheorie“)

Wenn ein Bedürfnis nicht ausreichend erfüllt ist, gibt es Mangelgefühle.: Angst/Unsicherheit, Langeweile, Einsamkeit, Minderwertigkeitsgefühl/Scham, Sinnlosigkeit,.

Erkennbar ist ein Bedürfnis daran, dass es ein abstraktes Nomen dafür gibt wie Leichtigkeit, Lebendigkeit, Liebe, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Kontrolle…

Die Lösung gegen Handysucht (und im Grunde gegen jede Sucht)

Kurz zusammengefasst ist die Lösung gegen Handysucht: 

Finde heraus, welches Bedürfnis du dir hauptsächlich erfüllst, indem du mehrmals täglich – vermutlich viertelstündlich wenn du kannst oder noch öfter???- dein Handy checkst. Finde es heraus und benenne es und dann… stille es konsequent auf andere Art und Weise. Hol dir Hilfe und Unterstützung, wenn das alleine nicht umzusetzen ist.

Dein Bedürfnis wird also gestillt, es wird bedient,nur auf andere Art und Weise als bisher. So brauchst du dein Bedürfnis nicht zu ignorieren oder kleiner zu reden. Dein Bedürfnis ist wichtig und du hast ein Recht darauf, wie auf jedes andere Bedürfnis auch. Denn es gibt nur gute Bedürfnisse: alle dienen dem Leben. Sind unsere Bedürfnisse gut gefüllt, geht es uns gut. Je besser wir in unserer Lebensenergie stehen, das heißt, je höher die Füllstände unserer Bedürfnisgefäße sind, umso mehr Kraft haben wir. Umso besser können wir dann auch für andere da sein.  

Dein Handy ist kein Bedürfnis

Das Handy kann kein Bedürfnis sein es war bisher nur die Lieblingsstrategie um dir ein so wichtiges Bedürfnis zu erfüllen – und Handy ist ja auch kein abstraktes Namenwort! 

Ein weiteres Merkmal ist übrigens, dass sich um ein echtes Bedürfnis handelt, ist, dass es sich nicht nur durch eine Strategie erfüllen lässt. Es gibt viele, viele Strategien zur Erfüllung des Topfes.Beispiel: für Erholung und Entspannung gibt es für verschiedenste Menschen vollkommen unterschiedliche Strategien: für den eines ist es Sport, für den anderen auf der Couch liegen. Für den einen ist es Party feiern für den anderen eine Tasse Tee trinken. So unterschiedlich können die Strategien sein, um sich ein und dasselbe Bedürfnis zu erfüllen.  

Jeder Mensch ist verantwortlich für seine gerade wichtigen Bedürfnisse und auch für die langfristig zu füllenden Bedürfnisse. Gerät eines davon in Mangel, entstehen unangenehme Gefühle. Diese dürfen nicht ignoriert und weggeschoben werden. Tu was!, rufen sie und wollen gehört, gesehen, wahrgenommen werden.  

Unangenehme Gefühle sind demnach wichtige Signale des eigenen Systems. Es sind Handlungsaufforderungen, Aufforderungen, aktiv zu werden FÜR SICH. Um wieder in eine bessere Lebensenergie zu kommen.  

Stell dir jedes Bedürfnis am besten vor wie ein Gefäß, das aufgefüllt werden will.   

Schritt 1: Analysiere dein Handy-Verhalten 

Finde heraus, was du am meisten nutzt, wo du am meisten Zeit verbringst. Dazu gibt es eine Übersicht am Handy. Beim iphone unter: Bildschirmzeit. Es gibt auch spezielle Apps, die das Nutzerverhalten genau analysieren und mit denen man sich selber Beschränkungen setzt. Damit kann man sich selber auf die Schliche kommen und sich besser disziplinieren. Ich hab allerdings noch keine gefunden, die mich überzeugt hätte.  

Was tust du also am häufigsten, wenn du zum Handy greifst?  

Wartest du auf Nachricht über Whatsapp oder einen anderen Messengerdienst  von einem bestimmten Menschen?  

Checkst du als Selbstständige oder Freiberufler deine Emails, weil du auf Aufträge bzw. Anfragen zu einem Erstgespräch hoffst? Ich kenne das sehr gut! 

Oder hast du was gepostet und wartest auf Likes und Kommentare dazu? 

Schritt 2: Finde und benenne dein wichtigstes Bedürfnis 

..weswegen du am Handy bist. Ich mache dir mal ein paar Vorschläge:  

Ist es das Bedürfnis, den eigenen Selbstwert zu erhöhen? Also die Suche nach Anerkennung und Wertschätzung? 

 Ist es die Sehnsucht nach Verbundenheit mit anderen? 

 Ist es das Bedürfnis nach Kontrolle und Orientierung? 

Oder ist es das Bedürfnis nach Abwechslung (also gegen die Langeweile/Unlustvermeidung) oder nach Unterhaltung (Spaß und Lustgewinn)? 

Multi-Bedürfnis-Erfüller 

Das Handy ist deshalb so vertrackt, weil es oft mehrere Bedürfnisse gleichzeitig befriedigt. So zum Beispiel Kontrolle und Orientierung: checken der Finanzen, checken des Email Posteingangs auf Antworten, die einen weiter bringen, checken der Podcastcharts, checken der Likes. Wir prüfen und checken, um uns zu Orientieren.  

Wofür? Vermutlich, um uns sicherer fühlen zu können, um unseren Selbstwert zu bestätigen, um uns verbunden zu fühlen. 

Außerdem ist es natürlich ein Lustgewinn, sich witzige Videos am laufenden Band anschauen zu können. Es vertreibt die Langeweile und es wir nehmen es als Hilfsmittel zum Aufschub unangenehmer Dinge. Also Unlustvermeidung. Lieber noch n bisschen Insta Reels anschauen, dann erst lernen für Schule , dann erst Hausputz machen, dann erst die Steuererklärung anfangen….usw.  

 

Schritt 3: Brainstorming: neue Strategien finden 

Wenn du herausfindest, was der Hauptgrund ist, weswegen du regelmäßig zum Handy greifst, dann hast du die Möglichkeit, neue Strategien zu finden, um dir dein Bedürfnis zu erfüllen. 

 

Wichtig: Das Bedürfnis bleibt und darf sein. Die Wahl der Strategien kann sich allerdings ändern, und ist empfehlenswert zu verändern, wenn dich deine bisherige Wahl nicht glücklich macht.  

Also… wenn du ein Mensch bist, der Bindung ganz oben stehen hat auf der Bedürfnisliste und du mit deinen Freunden und lieben Menschen gut per Messenger bisher in Verbindung warst. Nachfragen, schnell antworten, immer verfügbar wenn irgend möglich… 

Und dich deine Handysucht belastet… 

Dann könntest du gezielt Gelegenheiten für echte Verbindung schaffen: Treffen ausmachen. Reale Treffen im Cafe oder auf der Parkbank oder zum gemeinsamen Spaziergang oder Sport.  

Sind deine lieben Menschen weiter entfernt, wäre ein Vorschlag: Treffen am großen Bildschirm über Video. Oder ganz klassisch: mal am Festnetz miteinander telefonieren.  

Beides schafft wesentlich mehr Nähe und Verbindung als kleine Texte hin und herzuschreiben. Und: es sind Gelegenheiten, das Handy wegzulassen.  

Weniger Handy, mehr echte Begegnungen oder über ein anderes Medium.  

 

Bedürfnisorientierung statt Sucht 

Lass uns anfangen, bedürfnisorientiert zu denken. Jeder Mensch hat Bedürfnisse. Jeder Mensch braucht Sicherheit, Nahrung für Körper und Geist, Liebe, Freude und Sinn.  

Bedürfnisse dienen dem Leben. Es ist nichts Schwaches, Bedürftiges, Verachtenswertes zu sagen: Ich brauche das: Ich brauche Liebe. Ich brauche Sinn, Ich brauche Nahrung für Körper und Geist und ich brauche Sicherheit. 

UND Bedürfnisse dienen dem Leben. Sie dienen unserer Lebensenergie.

Wir dürfen es uns also zugestehen und anfangen, BEWUSST für unsere so wichtigen Bedürfnisse zu sorgen, auf GESÜNDERE Weise als bisher.  

Es ist nicht der Weg, sich zu verurteilen für schlechte Gewohnheiten oder eine Sucht. Es ist eben die Strategie gewesen, die irgendwann mal funktioniert hat. Die Psyche tut nichts ohne Grund. Die Psyche tut alles aus gutem Grund. Und der Grund sind eben die wichtigen Bedürfnisse, die erfüllt werden wollen.  

So wie eine Pflanze sich nicht zu schämen braucht oder sich bedürftig und schwach fühlen muss, weil sie mindestens diese Dinge braucht: Wasser, Licht, Luft  und Erde. Sie braucht von allem etwas. Es würde ihr auch nichts nützen, mehr Licht zu bekommen, wenn ihr permanent das Wasser fehlt.  

Alle Bedürfnisse sind wichtig, haben ihre Berechtigung und es ist unsere Aufgabe, uns um die Füllung zu kümmern. Stell dir jedes Bedürfnis am besten vor wie ein Gefäß, das aufgefüllt werden will.   

Gerne helfe ich dabei, dein vorherrschendes Bedürfnis herauszufinden und geeignetere Strategien als die bisherigen für dich zu finden. Auch bei der Umsetzung dranzubleiben, dafür sind Coaching und auch Psychotherapie da. 

 

Also: was immer du dir versprichst, was das Handy dir bisher gibt: das gibt es auch anderswo und anderswie. Denn die Bedürfnisse der Menschen durch alle Zeiten haben sich nicht verändert. Nur die Strategien, sich diese zu erfüllen. Und noch vor 20 Jahren gab es kein Smartphone und es war trotzdem möglich, dass alle menschlichen Bedürfnisse erfüllt wurden.  

Lass uns wieder bewusst wählen, was uns gut tut und uns wirklich ERFÜLLT. 

Namaste, deine Kerstin… von Lichtfinder 

Hier geht es direkt zum ERSTEN COACHING TERMIN (über Calendly) mit Kerstin

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