Jetzt sind wir bei den Bedürfnissen angelangt.  Von diesen sind wir oftmals noch weiter entfernt als von unseren Gefühlen. Darf ich das überhaupt, Bedürfnisse haben? Oder bin ich dann selbstbezogen oder gar egoistisch?

Es geht hierbei nicht um eine vorübergehende Lust und Laune sondern um grundlegende Bedürfnisse, die wir Menschen brauchen, um uns wohl zu fühlen und im Gleichgewicht zu sein.

Oft erwarten wir, dass unsere Liebsten unsere Bedürfnisse  erraten müssten. Dabei ist es uns selbst sehr oft nicht klar, was wir eigentlich gerade wirklich wollen oder brauchen.

Wir hängen uns dann schnell an einer Strategie auf, die wir gerne hätten und kämpfen darum, diese durchzuboxen. Dabei wäre es so viel einfacher, wenn wir uns selbst klar werden würden, welches Bedürfnis dem Wunsch zugrundeliegt.

Beispiel: Ich möchte unbedingt mit meinem Partner am verkaufsoffenen Sonntag  auf den Markt in die Stadt gehen. Die ganze Woche bin ich nicht unter Leute gekommen.

Auf den Markt zu gehen ist also ein Wunsch von mir, eine Lieblingsstrategie… wozu? Warum möchte ich das gerne? Dahinter steckt ein Bedürfnis. Geht es mir dabei  um Abwechslung? Oder hoffe ich, da Bekannte zu treffen zum Austausch/Plaudern? Ist es mir auch wichtig, mit meinem Partner gemeinsam etwas zu erleben (Bedürfnis: Gemeinschaft) Oder könnte ich das auch mit einer Freundin tun? Wenn ich mir erlaube, in mich kurz hineinzuspüren und mein Bedürfnis hinter dem Wunsch wahrnehme, dann stehen auf einmal jede Menge Lösungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Wenn mein Partner heute das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung hat und außerdem gern mit mir Zweisamkeit erleben möchte, wäre es vielleicht auch möglich, statt die  vorher zur Auswahl stehenden Möglichkeiten Couchnachmittag oder Marktbesuch durch eine ganz neue Idee zu ergänzen: Wellness in der Therme. Ich hätte meine Abwechslung und er seine Erholung und wir verbringen Zeit zusammen (Gemeinschaft). Oder aber ich lasse ihn zu Hause  ausruhen und gehe auf den Markt mit meiner Freundin, danach könnten wir gemeinsam Essen gehen. So ist es in jedem Fall am Ende eine Win-win-Situation. Kein fauler Kompromiss, in dem jeder ein Stückchen seine Bedürfnisse aufgeben müsste. Sondern ein Konsens, in dem die Bedürfnisse beider gesehen und berücksichtigt werden. Und plötzlich sind  völlig neue Lösungsideen möglich!

Es gibt mehr als 99 Strategien zur Erfüllung eines Bedürfnisses!

Alles, was der Mensch tut, macht er, um sich Bedürfnisse zu erfüllen!

Bedürfnisse:

Autonomie, Freiheit, Ruhe, Alleinsein, Privatsphäre, Unabhängigkeit

Integrität, Authentizität, Ehrlichkeit, Kreativität, Selbstwert, Sinn, Entwicklung, Wachstum, Lernen

Spirituelle Verbundenheit: Schönheit, Harmonie, Inspiration, Ordnung (Struktur, Klarheit), Frieden

Kontakt mit anderen: Akzeptanz, Nähe, Liebe, Wertschätzung, Respekt, Gemeinschaft, Wärme, Vertrauen, Geborgenheit, Ehrlichkeit, Wechselseitigkeit, Rücksichtnahme, Beitragen (zur Bereicherung des Lebens), Unterstützung, Offenheit, Toleranz, Verbundenheit

Körperliche Nahrung: Luft, Nahrung, Wasser, Bewegung, Schutz, Ruhe, körperliche Nähe, Sexualleben, Unterkunft, Fürsorge

Mentaler Art: Klarheit, Einsicht, Verstehen, Stimmigkeit, Prägnanz, Einfachheit,  Genauigkeit, Herausforderung

Das Leben feiern:  Erfüllung von Träumen, Dank sagen, Feste, Rituale, Abschied bei Verlust

 Spiel: Freude, Lachen/Humor

….zu ergänzen!

Kriterien für Bedürfnisse:

  • Universell (für alle Menschen wichtig, unabhängig von Nationalität, Religion, Alter, Geschlecht…)
  • Nicht gebunden an Objekte, Handlungen, Personen (Das wären dann nur die LIEBLINGSSTRATEGIEN;)
  • Abstrakt
  • Nicht gut oder schlecht > neutral
  • Jeder Mensch strebt nach der Erfüllung seiner Bedürfnisse
  • Sie sind Ursache seines Verhaltens, nicht
  • Bedürfnisse sind Menschenrechte!
  • Es gibt keine Wertigkeit in bessere oder schlechtere Bedürfnisse und keine Rangfolge

Wenn wir lernen uns selbst zu „lesen“ und unsere eigenen Bedürfnisse zunehmend bewusster wahrnehmen, können wir uns leichter entscheiden, authentisch für uns einstehen, bessere Gefühle bekommen, indem wir uns unsere Bedürfnisse gezielt erfüllen, womöglich mit ganz neuen Lösungsstrategien. Und indem wir den anderen sehen als Menschen mit ebensolchen Gefühlen und Bedürfnissen, besteht erst die Möglichkeit, besser auf das Gegenüber einzugehen, in Verbindung zu kommen oder auch, sein/ihr Verhalten in ganz anderem Licht zu betrachten. Aber dazu mehr im nächsten Beitrag: Wie werde ich unangreifbar?

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