Warum sind wir zu unseren Liebsten manchmal so gemein? (Teil 2)

Ja, warum nur sind wir manchmal so gemein gerade zu den Menschen, die uns nahe stehen? Dies ist die Fortsetzung zum ersten Artikel, der gerade so reißend Absatz findet. Hier möchte ich die Thematik nochmal aufgreifen und weiterführen: “Warum so gemein …und wie können wir das ändern?”

Dass dies einer meiner beliebtesten Artikel ist, beweist: Viele Menschen leiden offenbar darunter, dass ihr Partner, ihr Kind, oder ein Elternteil gemein zu ihnen ist.

Oder aber sie selbst sind es, die immer wieder entgleisen, quasi explodieren… und nachher kommt es zu Schuldgefühlen.

Wie die Axt im Walde…

Da wirft man jemandem Sachen an den Kopf, ist ungehemmt grantig und zornig, wie man es niemals mit jemand anderem machen würde. Niemals würden wir uns in der Öffentlichkeit so benehmen, wenn wir noch alle Sinne beieinander haben. Niemals würden wir unseren Kollegen gegenüber so sprechen, niemals würden wir uns so verhalten vor den Schmidts, wenn sie zu Besuch sind oder wenn die Kinder Freunde da haben, dann reißen wir uns auch zusammen.

Nein, die vornehmen Schmidts kennen nur unsere Sahneschnittenseite. Die Wohnung ist dann tipp topp aufgeräumt, alles geputzt und abgestaubt, Blümchen am Tisch und der Kuchen selbst gebacken. Genauso aufgeräumt benehmen auch wir uns. Wir sind ausgesucht höflich und freundlich und die Kopfschmerzen von vorhin, weswegen wir eben noch rumgeschnauzt haben, werden nun einfach mit einem gekonnten Lächeln überspielt.

Die Kinder machen es übrigens nicht anders. Auch sie benehmen sich in der Regel gut, wenn man woanders zu Besuch ist oder wenn ihre Freunde da sind.

Doch wehe, die Tür ist zugefallen, der Besuch ist weg. Dann wird das „wahre Gesicht“ gezeigt. Die Gesichtszüge des Vaters entgleisen, das Hemd wird aufgeknöpft, der Gürtel gelockert und er sinkt erschöpft auf die Couch. Die Mutter zischt miesgelaunt, dass sie auch müde wäre und wieder mal alles alleine machen müsste, den ganzen Dreck nun wegräumen.

Der Teenager knallt die Tür zu und ist nicht mehr zu sprechen.

Wenn wir uns zu Hause und mit unseren Liebsten aufhalten, dann führen wir uns oft ziemlich unmöglich auf.

Warum? Dieser Frage bin ich in meinem ersten Blogartikel schon mal auf den Grund gegangen.  Hier kannst du ihn nachlesen: (Klick)

Es ist irgendwie sogar ein Kompliment an die anderen. Denn wir fühlen uns zu Hause und mit den vertrauten Menschen sicher und geliebt.

„Endlich möchte ich mal ich selbst sein. Authentisch sozusagen. Unverstellt.  Endlich mal die Maske fallen lassen und mich zeigen mit all meinen Gefühlen.“

Das ist an und für sich nix Schlechtes. Es ist auch richtig, dass wir alle Gefühle mal da sein lassen und fühlen sollen. Doch die Folgen, wenn wir uns so ungehindert im Negativen ausleben, sind leider verheerend und werden schlichtweg unterschätzt bzw. komplett ignoriert.

Authentisch sein, die eigenen Gefühle aller Art zulassen bedeutet nämlich nicht, dass wir andere damit hineinziehen müssen. Weder sind die engen Mitmenschen verantwortlich für unsere Gefühle noch sind sie unsere Therapeuten oder gar Müllhalden für unseren seelischen Müll.

Selbstverantwortung übernehmen

Wir dürfen als erstes Selbstverantwortung übernehmen für unsere Gefühle und unser Wohlbefinden. Denn die Gefühle  entstehen nun mal in uns selbst. Sie entstehen aufgrund unserer Bewertungen und Gedanken über eine Situation, über einen Menschen, über ein Problem.

Nicht ignorieren

Wir dürfen und sollen unsere schlechte Laune, unsere Aggressionen, unsere Traurigkeit, Enttäuschung und Müdigkeit nicht wegdrücken und ignorieren. Das wär auch der falsche Weg.

Doch wir dürfen auch nicht den Fehler machen zu meinen, es würde helfen, unsere Emotionen nun ungefiltert heraus zu lassen.

Wir tun das leider allzu oft. Das ist genau das Phänomen, das ich mit „so ekelhaft und gemein“ beschrieben habe.

Ein Kompliment?

Wir glauben uns sicher fühlen zu können. Umso mehr, je mehr wir uns unserer Mitmenschen sicher sind. Wenn wir uns grundsätzlich geliebt fühlen. Das meine ich mit „eigentlich ist es ein Kompliment“.

Wenn uns schon oft verziehen worden ist. Deshalb betrifft es gerade gutmütige Partner*innen und Elternteile. Die müssen oft ganz besonders leiden unter den Launen ihrer Partner  oder Kinder. So sicher fühlen die anderen sich, dass sie meinen, sie könnten sich quasi alles erlauben.

Da wird geschrien, getobt, auf den Tisch gehauen, Türen geknallt oder sogar mit Gegenständen geschmissen.

Sei dir nicht zu sicher

Doch Vorsicht: bedingungslose Liebe gibt es fast nirgends im Leben. Und sicher ist keine Partnerschaft oder Ehe, das sollte wohl mittlerweile fast allen Menschen klar sein.

Nicht einmal die Eltern-Kind Beziehung ist sicher. Das zeigen die vielen Beziehungsbrüche, wo erwachsene Eltern seit Jahren keinerlei Kontakt mehr zu ihren großen Kindern und Enkeln haben. Selbst Jugendliche suchen manchmal schon das Weite, kaum, dass sie es gesetzlich dürfen.

Also: es ist zwar schön, sich in einer Beziehung sicher fühlen zu können, doch gerade dann sollte sie uns so wertvoll sein, dass wir sie schützen und bewahren sollten.  Eigentlich müssten wird unsere liebsten Menschen behandeln wie ein kostbares, zerbrechliches goldenes Ei. Das ist nämlich etwas Seltenes und Wertvolles, eine enge Beziehung zu haben und das gibt es nicht oft im Leben und schon gar nicht schnell irgendwo her zu holen, wenn man es einmal verloren hat.

 

Wie schafft man einen besseren Umgang miteinander?

Was also kann man tun, rechtzeitig, damit es erst gar nicht so weit kommt und die Partnerschaft oder Beziehung nicht immer noch mehr leidet und noch mehr vergiftet wird?

Denn die vielen kleinen Verletzungen, die wir uns bewusst und unbedacht immer wieder im Alltag zufügen, sorgen jedes Mal für einen kleinen oder größeren Riss in unseren Beziehungen. Dieser Riss wird immer tiefer, bzw. kaum ist er am Verheilen, so wird die alte Wunde immer wieder aufgerissen.

Das führt irgendwann zu inneren Kündigung.

Diesen Begriff kennen die meisten aus dem Job, aus dem Berufsleben, wenn man nur noch Dienst nach Vorschrift macht. In der Liebe ist es ähnlich. Sie bröckelt, sie schwindet, immer mehr, bis die Gefühle irgendwann zugeschüttet sind mit all dem Müll, den wir darauf abgeladen haben.

Also erstens:

Machen wir uns bewusst, dass bestimmte Beziehungen unglaublich kostbar sind. Dass wir etwas dafür tun müssen, um sie lebendig zu erhalten. Wir dürfen keinen lieben Menschen für selbstverständlich nehmen. Wir dürfen Menschen nicht nur gebrauchen in ihrer Rolle und Funktion für uns.

Sonst sind wir bald im Herzen komplett getrennt und nicht viel länger darauf auch auf dem Papier geschieden. Oder bei Eltern und Kindern wird der Kontakt abbrechen, sobald sie nicht mehr gebraucht werden.

Gute Beziehungen

Menschen brauchen Wertschätzung, Höflichkeit, Respekt und Freundlichkeit.

Jeder, dem wir nahe sein wollen, hat einen liebevollen Umgang verdient!

“Dann müsste ich mich zu Hause also auch verstellen?”,  höre ich schon jemanden sagen…

Verstellen nicht, doch nicht mehr ungefiltert die miese Laune rauslassen. Nicht mehr rücksichtslos auf anderen herumtrampeln mit dem eigenen Frust.

Wie soll das funktionieren, wenn ich meine Gefühle doch nicht unterdrücken soll?, magst du dich fragen.

 

Ich wiederhole nochmal, weil es so wichtig ist:

Übernimm du die Verantwortung für deine Gefühle. Denn niemand hat die Macht, dir deine Gefühle zu „machen“. Die machst du dir schon ganz alleine.

Und wenn du Hilfe brauchst, deine Gedanken und Gefühle in den Griff zu bekommen, dann wäre ein erster Schritt mein 4 tägiger kostenloser Video/Emailkurs: Raus aus der Negativität – Programmiere dich auf Glück.

Wenn du die volle Verantwortung für dich übernimmst, dann gehört auch dazu, dass du gut für dich selbst und deine Bedürfnisse sorgen musst.

Wenn du also müde und erschöpft bist, dann nimm das wahr, spüre deine Gefühle und lass sie da sein.

Dann überlege, wie du dein Bedürfnis nach Erholung am besten erfüllen kannst und ob du eine ganz konkrete Bitte an deine Lieben stellen kannst.

Das wäre dann kein: “Lasst mir bitte meine Ruhe.”

Sondern: “Ich bin so k.o. von der Arbeit. Ich brauche jetzt mal eine halbe Stunde Ruhe auf der Couch. Könnt ihr das bitte einhalten? Ich schließe dazu die Tür und wenn nicht gerade eine Katastrophe eingetreten ist, dann will jetzt nicht gestört werden.”

Oder: “Ich gehe mal eine halbe Stunde spazieren. Mein Handy ist aus in der Zeit.”

Also nochmal in Kurzform: Spüre rechtzeitig, was in dir los ist, was zu kurz kommt und was du brauchst um dich wieder wohler zu fühlen. Dann sorge freundlich und bestimmt dafür. Freundlich und bestimmt. Das ist der Weg, der Beziehungen erhält.

Freundlich und bestimmt darfst du dich abgrenzen und für dich sorgen, wenn das gerade nötig ist.

 

Wer das nicht gewohnt ist, für den ist das nicht ganz einfach.

Es gilt, vom Schuld- und Opferdenken weg zu kommen: Die anderen sind schuld, ich bin das Opfer.

Es gilt, das eigene Befinden wahrzunehmen bevor es eigentlich zu spät ist. Und es gilt, zu spüren, was gerade gebraucht wird.

Dann wollen Strategien überlegt werden: Wie kann ich mir das erfüllen, was ich gerade brauche? Was ich jetzt selbst tun und wer könnte mir eventuell behilflich sein.

Dazu gehört eine konkrete Bitte auszusprechen.

Das wäre der Weg zu einem friedvollen und liebevollen Miteinander, liebe Leute. Schnell gesagt oder hingeschrieben, doch es ist tatsächlich ein Lernprozess.

Denn alte Verhaltens- und Denkmuster haben sich eingeschlichen und eingeschliffen über die Jahre und die kriegste nicht von heute auf morgen raus.

 

Wie machen wir weiter?

Wenn ihr zwei Partner diesen Artikel lest oder den Podcast hört, dann wisst ihr nun beide, wie ihr es in Zukunft besser machen könnt. Es lohnt sich, gemeinsam daran zu arbeiten. Am besten besucht ihr auch beide mein Webinar: „Ärger loslassen in 4 Schritten“ um das nochmal zu vertiefen.

Fürs erste: sobald einer von euch merkt, der andere verfällt schon wieder in alte Muster: vereinbart ein Codewort, das gesagt wird und das euch beide erinnert an euren Vorsatz: wir wollen von nun ab liebevoller mit uns umgehen. Unsere Beziehung ist uns wichtig. Der/die andere ist mir wertvoll genug, mich zu bemühen.

Wenn das nicht reicht, meldet euch gerne zur Online Paarberatung bei mir. Da kommen wir noch anderen Mustern auf die Schliche.

Viel Spaß beim Finden eines möglichst lustigen Codewortes. Die Bedeutung kennt nur ihr beide bzw. die Familie.

Bedenkt bitte:

Gegenseitige Wertschätzung ist die Grundlage jeder guten Beziehung. Sie setzt jedoch immer Selbst-Wertschätzung voraus.

Das heißt, wenn ich nicht mit mir selbst gut umgehen kann, wenn ich meine eigenen Grenzen immer wieder missachte, mit mir selbst gemein bin und schlecht rede „Ich Idiot, was hab ich bloß wieder gemacht“, dann wird es umso schwerer, auch anderen ihre Grenzen zuzugestehen und sie zu respektieren.

 

Ich fasse nochmal die wichtigsten Punkte zusammen, die ein besseres Miteinander ermöglichen:

  1. Schätze deine Liebsten genug wert, nimm sie nicht für selbstverständlich.
  2. Erkenne, was Ausbrüche und verletzende Worte anrichten. Sei dir im Klaren, dass es eure Beziehung schädigt, jedes Mal wieder, bis sie womöglich zerbricht.
  3. Gib niemandem mehr die Schuld daran, wie du dich fühlst. Es ist deine Verantwortung, wie du mit etwas umgehst.
  4. Lerne deine Gefühle wahrzunehmen und zu erkennen, welches Bedürfnis gerade dringend gefüllt werden möchte.
  5. Dann sorge gut für dich. Ziehe deine Grenzen freundlich und bestimmt.
  6. Vereinbare ein Codewort, wenn es wieder Richtung alte Muster geht.
  7. Schau mehr auf das, was funktioniert, was du magst in deinem Leben.
  8. Geh mit dir selbst liebevoll um, gerade wenn etwas nicht gut läuft.

 

Wenn du jetzt seufzt und denkst: “Das müsste mal mein Partner hören oder lesen.” Ja gerne, gib es weiter, doch warte nicht mit deinem Aufbruch zum Glück, bis der sich endlich ändert. Fang einfach bei dir selber an.

 

Denn denk daran: alles beginnt mit Selbst-Wertschätzung: Wie gehst du mit dir selber um, wie redest du mit dir, wir achtest du deine Grenzen?

Und noch was: wenn sich einer ändert, beginnt das ganze System sich zu ändern. Also, fang einfach bei dir selber an.

UND teile diese Folge oder diesen Artikel gerne weiter. Denn es ist natürlich leichter, wenn mehrere im System mitziehen.

 

Licht in deine Beziehungen und in dein Herz

wünscht dir Kerstin von Lichtfinder

PS: Hier kannst du den Text kostenlos als Podcastfolge hören: (Klick)

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2 Kommentare
    • Kerstin Bulligan
      Kerstin Bulligan sagte:

      Hallo Johnny!
      Oh, so ein lieber Kommentar! Es ist nicht einfach, das stimmt,doch es ist möglich. Geduld und viel Übung helfen. Plus Unterstützung?😉

      Antworten

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