„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ aus: Wilhelm Tell   – Friedrich Schiller –

Vor kurzem bekam ich eine email-Anfrage von Martin, dessen Nachbar oberhalb seiner Wohnung mit lauten Schritten durch die Wohnung marschiert. Da Martin als freischaffender Künstler und Autor zu Hause arbeitet, fühlt er sich dadurch extrem gestört, kann sich oft nicht auf seine Arbeit konzentrieren und der Ärger hat sich schon gewaltig in ihm angestaut.

Höchste Zeit für ein klärendes Gespräch, meine ich.

Aber wie denn um Gotteswillen? Martin hat größte Scheu, das unangenehme Thema anzusprechen. Er will nicht derjenige im Haus sein, der Sonderwünsche hat und sich bei anderen beschwert.

Das Beratungsgespräch lief ungefähr (gekürzt) so ab:

(Ich will herausfinden, was sein wichtigstes Bedürfnis ist.)

Kirstie: „Ist dir Harmonie wichtig?  Möchtest du gerne ein angenehmer Nachbar sein?“

Martin: „Jaa! Beides. Doch wenn ich schon wieder was zum Nörgeln habe, bin ich schnell in Verruf.“

Kirstie: „Aha, dir geht es also um harmonisches Miteinander und dein Ruf ist dir wichtig.“

Martin stimmt zu.

Kirstie: „Wenn du allerdings deinen Ärger täglich runterschluckst, was passiert dann in dir?“

Martin: „Ich kriege oft Kopfschmerzen, mein Magen rebelliert auch immer wieder. Und ich kriege einen immer größeren Zorn auf diesen Typen. Kann der nicht mal dran denken, dass da jemand unter ihm wohnt? Muss man so trampeln? Oder Türen schlagen, lautstark den Fernseher laufen lassen? Ich mag mich schon gar nicht mehr mit ihm unterhalten, wenn ich ihn treffe.“

Kirstie: „Also merkst du deinen Ärger ganz deutlich im Körper. Deine Gesundheit leidet. Und du bist nicht mehr in der Lage, wirklich freundlich zu deinem Nachbarn zu sein, richtig?“

Martin: „Ganz genau! Eigentlich bin ich sogar ziemlich abweisend geworden. Ich habe so einen Groll auf ihn!“

Kirstie: „Dabei möchtest du doch ein freundliches, harmonisches Miteinander… “ Worum geht es dir eigentlich bei dem Lärm, der von oben kommt? Möchtest du dich endlich wieder wohl fühlen in deiner Wohnung?“

Martin: „Ja. Ich möchte mich wohl fühlen, wenn ich in meinem Reich bin. Und vor allem möchte ich in Ruhe arbeiten, denken, lesen können.“

Kirstie: „Harmonie und Wohlfühlen/in Ruhe arbeiten und die Freizeit genießen können – das sind ganz wunderbare Bedürfnisse, die du dir dringend erfüllen möchtest. Ist es dir wichtig genug, dass du den Mut aufbringen willst, das zu lösen? Dann zeig ich dir gerne einen Weg, wie du das so ansprechen kannst, dass es höchstwahrscheinlich auch funktioniert.“

Wir arbeiten an der Vorbereitung des Gesprächs mit dem Nachbarn. Danach wird festgelegt, wann Martin diesen Schritt tun wird. „Gleich morgen Abend“, beschließt er. Das ist seine Bitte an sich selbst.

Das Ansprechen des Konflikts (in Klammer kursiv Hinweise zum Aufbau)

Hallo, Herr Bauer!

(Ankommen, Beziehung aufbauen, empathisch auf den Nachbarn eingehen:)

Schön, dass Sie sich Zeit nehmen für mich. Wissen Sie, unter Nachbarn ist es doch wichtig, dass wir uns gut verstehen untereinander. Wir wollen uns schließlich miteinander wohl fühlen, stimmt’s?

Ja, und immer mal wieder kommt es halt vor, dass einen mal was stört, das haben Sie bestimmt auch schon mal erlebt, oder? (Nicht? Aber wenn, würden Sie es ansprechen?)

(Authentisch sein:)

Ich habe mich heute durchgerungen, Ihnen was zu sagen, was mir wirklich sehr am Herzen liegt. Und ich bin ehrlich gesagt ziemlich nervös, weil ich mir wünsche, dass wir beide gut miteinander können.

(Anliegen vorbringen mit Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte:)

(Beob.) Sie sind als Rentner tagsüber auch zu Hause und der Parkettboden ist sehr hellhörig. Wenn ich morgens beim Schreiben an meinem Roman bin, dann höre ich tatsächlich jedes Mal Ihre Schritte – und das bringt mich raus aus meiner Arbeit,  (Bed.) weil ich  ganz viel Ruhe und Konzentration zum Schreiben brauche.  (Gef.) Ich ärgere mich dann, (Bed.) weil ich vorwärts kommen möchte in meiner Arbeit. 

(Konkrete Bitte) Wären Sie bereit, in Zukunft bewusst leiser über den Boden zu gehen?

(vom Nachbarn evtl. Einwand: Wie soll ich das machen? Kann mich doch nicht in Luft auflösen! Der Boden ist wie er ist!)

(evtl. Strategie-Angebot) Ich hätte da eine Idee, wollen Sie sie hören? 

Könnten Sie sich vorstellen, Hausschuhe mit Gummisohlen oder Filzschuhe anzuziehen?

Sehen Sie, ich möchte mich wirklich wieder wohl fühlen in meiner Wohnung. Und ich brauche dazu sehr viel Ruhe. (Feedback-Frage) Was meinen Sie dazu? Wäre es möglich, dass Sie mir da entgegenkommen?

Hinweis:

Am Ende steht immer die Bitte. Es ist in der GfK keine Forderung. Der andere hat die Freiheit, die Bitte anzunehmen oder abzulehnen. So vorgetragen, ist die Chance hoch, dass der Nachbar sich Martins Bedürfnis wohlwollend ansehen mag. Die Türe ist sozusagen offen für Verhandlungen. Vielleicht hat der Nachbar selbst eine bessere Idee, zum Beispiel einen Teppich in die Wohnung zu legen. Sollte er ablehnen, dann aus einem eigenen Bedürfnis heraus, vielleicht nach Freiheit und Selbstentfaltung. Martin müsste sich in dem Fall entschließen, eventuell in eine ruhigere Wohnung zu ziehen. In jedem Fall hat Martin für sich gesorgt, seinem Anliegen Luft gemacht – was gute Auswirkungen auf die Gesundheit hat – und er kann in Zukunft authentischer und offener mit dem Nachbarn umgehen.

Wenn du auch einen Konflikt mit dir herum trägst, den du endlich ansprechen möchtest, biete ich dir dazu gerne meine Hilfe an. Mit dem Ziel, für dein Bedürfnis zu sorgen UND deine Beziehung zu erhalten oder zu verbessern. Schreibe mir einfach eine email.

Deine Kirstie, Lichtfinderin

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