Dies ist der Text zur Folge 30 des Lichtfinder Lebensfreude Podcasts. Wenn du lieber hören willst, abonniere ihn kostenlos in allen Podcast Apps oder höre ihn auf meiner Homepage.

“Ich fühle mich so schlecht.”

„Ich hab solche Minderwertigkeitsgefühle! Ich trau mich kaum noch aus dem Haus.“, klagte mir vor kurzem ein Klient sein Leid. Er war ganz verzweifelt: „Ich weiß nicht mehr, was ich noch tun soll.“

Wo kommt so was her? Wie kann ich helfen?

Der Dreh- und Angelpunkt bei vielen seelischen Schmerzen ist die Stimme im Kopf des Menschen, der leidet.  Übrigens auch schon bei jedem Ärger und jedem Schlecht-Drauf-Sein.

Wenn ich sage „im Kopf“, bedeutet das nicht, dass die Stimme im Kopf lokalisiert sein muss.

Vielleicht wird sie nicht direkt im Kopf wahrgenommen, sondern eher im Herzbereich oder im Bauch.  Bei manchen kommt sie auch von oben her. Oder von der Seite.

 

Die innere Stimme

Innere Stimme ist auch so ein Ausdruck dafür, wird dem aber auch nicht gerecht, wenn die Stimme von oben, von hinten oder von der Seite kommt, scheinbar von außen.

„Wie jetzt? Stimmen hören?“, denkst du dir vielleicht.  „Also so weit ist es bei mir noch nicht!“ und weist  diese Vorstellung gleich weit von dir.

Doch glaub mir, diese Stimme, sie ist da. Auch wenn sie dir bisher vielleicht kaum bewusst war. Sie ist da und sie beeinflusst dich und deine Stimmung auf Schritt und Tritt.

Und diese Stimme ist übrigens etwas vollkommen Normales.

Gewissermaßen gibt es sogar mehrere verschiedene Stimmen die das Denken, Fühlen und Verhalten beeinflussen, einfach weil sie immer mitreden. Diese gehören zu unseren verschiedenen Persönlichkeitsanteilen.

„Oh mein Gott, jetzt bin ich auch noch viele?“, denkst du dir womöglich. Dazu passt übrigens Band 3 „Miteinander Reden“ von Schulz von Thun und zumindest der Titel des Buches von Richard David Precht: „Wer bin ich und wenn ja wie viele?“

Nein nein, ein gesunder Mensch empfindet keine Zersplitterung. Da ist immer noch das ICH in der Mitte, das entscheidet, wie ein Vorsitzender oder Chef vor der ganzen Truppe, die da mitreden will und an Entscheidungen beteiligt sein will.

 

Woher kommt sie?

Heute möchte ich mit dir zusammen mal einen wichtigen Anteil näher ankucken: den, der oft als innerer Kritiker bezeichnet wird.  Er ist entstanden aus den Stimmen der Kindheit und Jugendzeit, auch noch des jungen Erwachsenenalters. Er hat sich gebildet aus den Stimmen wichtiger Menschen, die dich in dieser Zeit begleitet und beeinflusst haben.

Manchmal hat auch schon eine einzige Person genügt, um ihn entstehen zu lassen und er begleitet das Ich womöglich ein ganzes Leben lang. Meist war diese Person der Vater oder die Mutter oder ein anderer nahestehender Erwachsener. Sie kann also durchaus weiblich sein, die Stimme in dir, dann wäre es eine innere Kritikerin genau genommen.

Der Einfachheit halber spreche ich jedoch weiter vom neutralen inneren Kritiker.

Als Kind glauben wir diesen Stimmen. Denn die Erwachsenen sind für Kinder überlebenswichtig. Kinder können sich nicht wirklich gegen den Einfluss wehren und akzeptieren die Urteile und Bewertungen über sich  genauso wie die Lebensregeln, die mitgegeben werden. Die bestenfalls warm ans Herz gelegt werden und schlechtestenfalls hineingeprügelt werden.

Das können gut gemeinte Botschaften sein:

Du bist aber ein fleißiges Mädchen. Streng dich nur richtig an, dann bekommst du deine Belohnung.

So brav ist sie. Den ganzen Abend hat sie still dagesessen und sich allein beschäftigt.

Die freche Susanne von den Meiers, die redet immer dagegen, unsere Tochter macht zum Glück, was wir ihr sagen.

 

Was macht sie mit uns?

Glaubenssätze

Das kann später dazu führen, dass gearbeitet wird wie wild, denn Fleiß ist eine große Tugend und nur wenn ich aller Welt beweisen kann, wie gestresst ich bin, dann glauben sie auch, dass ich fleißig bin.

Ich will, dass alle von mir eine gute Meinung haben.

Oder das Konzept Bravsein, Stillsein wird so sehr verinnerlicht, dass es der erwachsenen Frau einmal unmöglich ist, sich gegen ihren Ehemann oder aufdringlichen Chef zur Wehr zu setzen. Weil die Stimme im Kopf sagt: Still sein, keine Widerworte, kein Widerstand.

Stimmen von früher  können aber auch abwertende Botschaften sein, die aus einer Enttäuschung oder eigenen Unzufriedenheit der Erwachsenen mit sich und dem Leben stammen können.

Du alter Taugenichts! Schlamperliese! Wie kann man nur so bequem sein? Bringst du eigentlich irgendwas auf die Reihe…? Alles, was du anfasst, läuft schief.

Du kannst nicht singen, lasse es. Sportlich ist unser Max nicht. Sein großer Bruder, ja, aber er nicht

Usw. usf.

Lebensregeln

Beispiel für Lebensregeln: Das tut man nicht. Wer nichts leistet, ist auch nichts wert. (In unserer Familie war noch nie jemand musikalisch. Bücher schreiben und Theater spielen sind brotlose Künste. ) Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Jedenfalls ist in fast jedem von uns dieser innere Kritiker entstanden. Der kritisiert, beurteilt, schimpft, abwertet, verhöhnt, auslacht, entmutigt und schwächt.

Ich fragte meinen Klienten: Wie sprichst du denn eigentlich mit dir, dass du dich so minderwertig fühlst?

Die Antworten kamen wie aus der Pistole geschossen: „Du kannst nichts. Hast noch nie was geschafft. (Jetzt bist du schon fast 30 und hast noch keine Frau gefunden.) Einen neuen Job kriegst du auch nicht mehr.  Das wird nie wieder besser. Du bist einfach zu nichts gut. Im Grunde bist du nur noch eine Last für die Gesellschaft.“

Oh , oh.

So gnadenlos, wie diese innere Stimme oft mit den Leuten spricht – und genau genommen sprechen sie ja mit sich selbst so … Wirklich fürchterlich!

 

Wie ist ihre Qualität? Wie fühlt sie sich an?

Ich hoffe, deine innere Stimme geht sanfter mit dir um.

Denn so wie im Fall von meinem Klienten, macht sie den Menschen krank und depressiv.

Wie sprichst du denn eigentlich mit dir, wenn du was verbockt hast. Wenn dir was runtergefallen ist und in tausend Scherben zerbrochen?  Wenn dir irgendein schlimmer

Ausrutscher passiert ist?

Mann, wieso passiert mir das immer! So was Ungeschicktes! Wie konntest du nur????

Pass doch endlich mal besser auf! Wie doof kann man eigentlich sein??

Mal im Ernst: Würdest du mit deinem besten Freund oder einem anderen wichtigen Menschen in deinem Leben sooo sprechen?

Die Antwort ist von vornherein klar: Niemals!

Aber… mit dir selber, da redest du so, hm?

 

Macht die Stimme so wie bisher wirklich Sinn?

Stell dir vor, du wärst ein ganz toller Erwachsener und möchtest einem kleinen Kind Mut zusprechen, das sich nicht traut. Das sehr unsicher ist, ob es das kann und ob es gut genug ist.

Wie würdest du mit diesem Kind sprechen? ….

Genau. Du würdest ganz liebevoll und aufmunternd mit ihm sprechen. Würdest ihm sagen:

„Hey, du kannst das vielleicht selber gerade nicht sehen, aber ich sehe, was du für Fähigkeiten und Talente hast. Ich weiß, dass du alles in dir hast, was du brauchst. Du kannst das schaffen. Ich glaub an dich.“

 

Was will sie eigentlich?

Es ist wichtig, zu verstehen, warum der Kritiker in dir so spricht.

Auch wenn es nicht gerade offensichtlich ist:

Der innere Kritiker in dir hat an und für sich keine böse Absicht.

Was hat er wohl für eine Absicht?

Ja genau. Er will dich meist verbessern, den besseren Menschen aus dir machen.

Indem er dir verbale Arschtritte gibt und dir zeigt, was du alles falsch machst und dass es so wie du es machst, aber gar nicht geht.

Oder aber er will dich beschützen vor Niederlagen oder Zurückweisung und flüstert: „Lass es sein. Das schaffst du nie. Das ist was für andere, aber nicht für dich…“

 

Wie kannst du die Stimme verändern?

Mein Klient fragt verzweifelt: Aber wie soll ich denn liebevoll mit mir sprechen? Das geht nicht. Das kann ich nicht. Und es stimmt doch auch alles. Ich kann wirklich nichts und mein Leben ist nichts wert.

Darauf ich: Es hat sich so entwickelt, weil du dieser gemeinen Stimme in dir geglaubt hast. Du hast all das geglaubt und dich entsprechend gefühlt und verhalten. Als Kind musstest du das auch glauben, es blieb dir nichts anderes übrig. Doch heute, als Erwachsener, kannst du dich entscheiden, der gemeinen Stimme nicht länger zu glauben. Denn sie tut dir nicht gut.

Ich hab ihn dann aufgefordert, sich seinen inneren Kritiker  genau vorzustellen. Wie er aussieht, wie er spricht. Er bekam sogar  eine Frisur und einen bestimmten Gesichtsausdruck.

Wir haben dann mit diesem strengen, militärische aussehenden Mann gesprochen und ihn sehr nachdenklich gemacht. Ihm gesagt, dass er sein Ziel, diesen jungen Mann zu verbessern, so nicht erreichen wird, niemals.

Im Gegenteil. Wenn er weiterhin so mit ihm spricht, geht er kaputt und traut sich gar nicht mehr nach draußen.

Wir gaben dem Kritiker deshalb ein neues Aussehen, einen neuen Namen und einen neuen Auftrag, eine neue Jobbeschreibung sozusagen.

Zum Wohle dieses jungen Mannes. Dass er gefördert wird und ermutigt und bestärkt.

Und je öfter diese neue Stimme nun liebevoll mit ihm spricht, umso wertvoller kann er sich wieder fühlen, umso mehr wird es sich wieder zutrauen und umso aktiver kann er sein Leben auch wieder gestalten.

 

Aha! Ich habe Einfluss!

Es ist dieses Aha-Erlebnis: Ich habe Einfluss auf die kritische Stimme in mir.

Ich kann sie mir neu erschaffen. Zu einer Stimme, die mir fortan gut tut.

Nie wieder will ich so abwertend mit mir selbst sprechen.

Der Dreh- und Angelpunkt ist tatsächlich die eigene Gedankenwelt. Der eigene innere Dialog.

 

Mein Beitrag für dich

Das war heute ein kleiner Einblick in meine Arbeit.

Wenn auch du einen scharfen inneren Kritiker haben solltest, dann kannst du beschließen, ihm von nun an nicht länger Glauben zu schenken.  Und fortan so mit dir sprechen, wie zu einem Kind, das du sehr magst und aufbauen möchtest.

Sollte der Kritiker in dir jedoch zu gnadenlos und hartnäckig sein, dann brauchst du dazu Begleitung in Therapie oder Coaching.

Dann kann ich dir zum Beispiel helfen, zusammen mit dir seine Jobbeschreibung, seine Gestalt und Rolle zu ändern und die Art und Weise, wie die Stimme mit dir spricht.

Und dann geht es auf einmal, denn du kannst es fühlen und da ist eine neue, liebevolle Stimme in dir. Ein Förderer, der dich mag.

So kann aus deinem scharfen, bitterbösen Kritiker ein bester Freund werden. Stell dir das mal vor…

 

Ins Tun kommen

Ich hab eine Aufgabe für dich, wenn du magst: :

Frag dich diese Woche mehrmals am Tag:

  • Wie spreche ich eigentlich gerade mit mir?
  • Tut mir das gut?
  • Will ich das glauben?

Und wenn die Antworten “Nein” sind, dann lenk um, geh neue Wege.

Alles Liebe für deinen Weg!

Deine Kerstin von Lichtfinder

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