Zu impulsiv im Streit

Ich raste immer wieder aus. Wie kann ich cool bleiben?

Impulsiv im Streit – entspanntere, friedlichere Beziehungen sind möglich   (Teil 2)

Gründe für den Ärger

Wenn sich jemand so ärgert und so wütend ist, dass er unkontrolliert schreit oder um sich schlägt, dann wird der Grund für den Ärger im Außen gesucht und – aus Sicht des Wütenden- verdient der andere in diesem Moment, dass er die volle Wucht des Ärgers abbekommt. . Die Aggression wird also als Verteidigung gerechtfertigt gegen jemanden, der einem Böses will oder es ist Rache für die erlebte Verletzung.

 

 –  Diesen Text kannst du als Podcastfolge 86 im Lichtfinder Lebensfreude Podcast hören. Kostenlos und überall, wo es Musik gibt. Mehr dazu. Oder direkt Reinhören bei Google Podcasts. Teil 1 des Blogtextes findest du hier. bzw. höre die Podcastfolge 85. –

 

„Die hört mir einfach nicht zu! Wieder bin ich übergangen worden. Ich bin ihm einfach nicht wichtig, sonst würde er doch nicht so reagieren. Völlig respektlos!“

Das heißt, jeder Impulsive hat seine guten Gründe, warum er angreift oder sich so vehement verteidigt. Ein Hauptgrund ist Angst und Unsicherheit.

Je mehr Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl jemand hat, umso weniger braucht er auf andere zu projizieren, was er in sich nicht leiden kann. Je sicherer und ausgeglichener jemand ist, umso weniger Notwendigkeit besteht, sich zu verteidigen. Wer so massiv angreift, ist innen drinnen noch sehr unsicher und meint, er müsse sich schützen.

Wir müssen uns also anschauen, ob eine Verteidigung tatsächlich notwendig und gerechtfertigt ist oder ob wir durch den Filter unserer Überzeugungen und Selbstzweifel mal wieder aus einer Mücke einen Elefanten machen.

Manchmal ist jemand wirklich gemein im Beruf oder in der Familie und schießt über das gesunde Maß hinaus,. Dann ist es tatsächlich nötig, sich zu wehren und Grenzen zu setzen. Dann nämlich, wenn man sich in seiner Ehre oder Würde verletzt sieht. Es heißt also nicht, man dürfe sich gar nicht mehr verteidigen.

Doch ein erwachsener, in sich ruhender Mensch, wie würde der wohl reagieren?

Er würde auf gesunde und friedvolle Art, durchaus klar und bestimmt für sich zu sorgen, für die eigene Würde, den eigenen Respekt, für die Wertschätzung, die man gerade so sehr vermisst.

Es geht also bei impulsiven Menschen darum, die bisher so heftige Reaktion abzufedern, zu kontrollieren.

 

Entscheidung treffen

Blöderweise ist da so wenig Zeit zum Überlegen. Es werden einfach die gewohnten Muster abgespult. So reagieren wir aus unseren Triggern heraus, als pure Reiz-Reaktionskette, doch nicht aus unseren Werten heraus und so, wie wir gerne sein würden.

Doch wie Viktor Frankl sagte:

Zwischen Reiz und Reaktion gibt es eine Lücke.

Und es gibt diese Lücke. Es gibt diese Sekunde zum Überlegen, ob es möglich ist, hier und demjenigen gegenüber so Auszuticken. Das heißt, in dieser Sekunde kann entschieden werden: Austicken, ja oder nein?

Vorausgesetzt, es handelt sich um einen psychisch gesunden Menschen. Wer nicht mehr stabil genug ist, der hat auch mal öffentliche Entgleisungen.

Wer psychisch einigermaßen gesund ist, dem passieren impulsive Ausbrüche normalerweise nicht im öffentlichen Raum. Dem Chef gegenüber zum Beispiel passiert das in der Regel nicht und auch nicht den Kollegen gegenüber oder der Nachbarin, die einen nervt. Nein, das passiert wenn, dann nur zu Hause bzw. mit den Personen, die einem nahe stehen, bei denen man sich eigentlich sicher genug fühlt. Das Fatale ist, dass gerade die wichtigsten privaten Beziehungen durch impulsive Ausbrüche gefährdet werden. Es wird einfach zu wenig bedacht, dass diese daran zerbrechen können. Wenn es dann so weit kommt, ist der Katzenjammer groß.

Es gilt, diese Lücke zu vergrößern. Nur dann können wir mit Vernunft und Verstand aus unseren Werten heraus reagieren.

 

Mehr Kontrolle erlangen

Was hilft nun, diese Lücke zu vergrößern, mehr Zeit zu bekommen, um zu Denken, Durchzuatmen und sich neu auszurichten?

Alles schon in Folge 1 genannte: sich spüren lernen und gut für sich im Alltag schon zu sorgen mit genügend Erholung und Bewegung, aber auch rechtzeitigem Eintreten für sich und seine Grenzen.

Was darüber hinaus unersetzlich ist, ist die eigene Überzeugung, so nicht weiter machen zu wollen.

Wenn sich der impulsive Wüterich erstmal wirklich bewusst wird, was er da anrichtet und dass er sich selbst und der Beziehung damit schadet, dann kann er  in einem ruhigen Moment ein Commitment formulieren, (dies ist ein englisches Wort, das wirklich seine Berechtigung hat, kein moderner Anglizismus. Um das zu beschreiben, brauche ich nämlich gleich mehrere deutsche Wörter: Versprechen an sich selbst, innere Verpflichtung, Gelöbnis…

sich selbst ein Versprechen geben, dass so ein Austicken nie mehr vorkommen soll. Es ist nie gerechtfertigt und hinterlässt nur Zerstörung.

Doch so lange ein Funken innerer Überzeugung bleibt: der andere ist schuld daran, dass ich mich schlecht fühle, und du es damit rechtfertigst so zu explodieren, wird es wieder und wieder passieren.

Wer sich Liebe wünscht und eine sichere Beziehung, muss daran arbeiten, ein berechenbarer Partner zu werden. Ein unberechenbarer Partner ist für den anderen nicht verlässlich.

Ein unsicheres Beziehungsfundament ermöglicht keine sichere Bindung, nicht zwischen Eltern und Kind und auch nicht in allen anderen Beziehungen.

 

Ein Commitment

So ein Commitment, eine eindeutige Absichtserklärung macht man am besten schriftlich. Entweder nur für sich oder am besten auch für die davon betroffenen Personen. Gleichzeitig kann man sich diese zur Unterstützung ins Boot holen. So könnte man zum Beispiel ein Geheimwort vereinbaren, das der andere sagt, wenn er merkt, dass der Impulsive schon wieder in die falsche Richtung läuft.

So holt die Erinnerung an „Apfelkuchen“ denjenigen schnell wieder auf den Teppich runter.

Das Codewort kann ein wichtiges Signal sein, das das alte Muster in dem Moment unterbricht und daran erinnert, dass man neue, gesündere Wege gehen will.

Wie geht es dir gerade, was brauchst du wirklich?, sind dann Fragen, die helfen. Diese sollten sich Angehörige gut merken.

Wichtig fürs Lebensglück und gesunde Beziehungen ist, an sich zu arbeiten:

  • Problem erkennen
  • Trigger herausfinden
  • Entscheidung treffen, etwas zu ändern
  • sich helfen lassen
  • neue Wege gehen.

Vielleicht bringt dich ja auch dieser Podcast schon ein Stück weiter.

 

Weitere Hilfe 

Doch wenn du merkst, dass du eine Wegbegleitung brauchst und  du bereit bist zu einem Versprechen an dich selbst und deine Umwelt, dass du dein Verhalten ändern möchtest, dann helfe auch ich dir gerne, deine unterbewussten Überzeugungen aufzugeben und dich rechtzeitig selbst zu beruhigen. So kannst du ein verlässlicher und berechenbarer Beziehungspartner werden. Ich brauche dazu meist 6 Sitzungen. Lass uns doch mal sprechen, ob ich dir helfen kann.

 

In der nächsten Folge stelle ich dir mein Ärgerkonzept vor, mit dem du so schnell nichts mehr persönlich nimmst und Ärger nicht mehr an dich heranlässt.

Viel weniger ärgern macht Sinn, es schafft Platz für viel mehr Freude. Wenn du jemanden kennst, der auch leicht ausflippt und sich reinsteigert in seine Wut, dann hilf mit und teile diese Folge weiter. Auch an betroffene Angehörige.

Für die stelle ich ein pdf mit Erste-Hilfe Strategien im Umgang mit Wüterichen zusammen. Ich verlinke es zum Download unten oder mache vielleicht eine kurze Zwischenfolge daraus.

Ich sehe das Gute in dir.

Deine Kerstin von Lichtfinder

 

>> Hier geht es zum gratis PDF Erste-Hilfe Strategien im Umgang mit wütenden Menschen. Du bekommst dann die Lichtblicke Post, die du jederzeit wieder abbestellen könntest. Ohne Haken oder Verpflichtungen, klar.

Oder willst du nur einfach mit mir in Kontakt bleiben? Dann  gerne hierüber:

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