Achtung explosiv! Wenn Impulsivität der Beziehung schadet

Diese Folge/dieser Blogbeitrag ist für das Rumpelstilzchen in uns, das manchmal hervorbricht. Bei den einen richtig krass, bei den anderen milder.  Schreien, , Toben, mit Sachen werfen, Treten, Hauen, Dinge sagen, die nachher bereut werden… das passiert, wenn das Gehirn plötzlich ausschaltet und wir nur noch irgendwie die Spannung loswerden wollen, den Dampfkessel ablassen wollen, bevor wir platzen. Vor lauter … ja was eigentlich? Ärger, Wut, Frust, Ungerechtigkeit!

 –  Diesen Text kannst du als Podcastfolge 85  im Lichtfinder Lebensfreude Podcast hören. Kostenlos und überall, wo es Musik gibt. Mehr dazu. Oder gleich direkt Reinhören bei Google Podcasts.

Als erstes möchte ich mal diesen impulsiven Ärgertyp beschreiben und ich will verdeutlichen, was die Impulsivität für ein Gefahrenpotential hat. Denn diese Einsicht ist notwendig, um sich dafür zu entscheiden, etwas ändern zu wollen. Dann geht es um die Ursachen, die die Impulsivität auslösen und schließlich um mögliche Wege heraus.

 

Der impulsive Ärgertyp

Impulsivität ist ja an sich nichts schlechtes. Sie zeigt, dass Energie da ist und Lebendigkeit. Sie kann auch zu spontanen Freudentänzen, schnellen Entscheidungen und leidenschaftlicher Liebe führen. Doch wenn sich die Neigung zur Impulsivität kombiniert mit ungelöstem Ärger und Anspannung, dann reagiert derjenige unkontrolliert und ohne nachzudenken und sagt und macht Dinge, die für die Umwelt und letztlich auch für ihn selbst verletzend und zerstörerisch wirken.

Bei impulsiven Menschen bricht angestaute Wut und Ärger immer wieder heraus wie ein Vulkanausbruch. Explosiv, scheinbar unkontrollierbar. Lange Zeit passiert nichts. Lange Zeit ist Ruhe. Derjenige ist nett und umgänglich, sagt selten, was er wirklich denkt und spielt normal jedes Spiel in der Beziehung mit, auch wenn es ihm nicht immer gefällt.

Doch die Ruhe ist trügerisch. Plötzlich kann derjenige explodieren. Scheinbar aus dem Nichts bricht der Zorn aus ihm heraus und ist dann so zerstörerisch für die Beziehung. Jähzorn, heißt es auch, weil es so unvermittelt kommt.

Manchmal geht die plötzliche Wut ja gegen einen Gegenstand, der nicht so will wie man selber. Ein Gerät zum Beispiel, das einfach nicht funktioniert. Die Fernbedienung, die auf kein Laut- oder Leise- Drücken mehr reagiert, wird genervt ins Eck gedonnert. Da werden manchmal sogar Festplatten aus dem Fenster geschmissen, vor lauter Zorn, dass die Computerarbeit von 3 Wochen plötzlich weg ist.

Ist allerdings der Partner oder die Partnerin Zielscheibe der Impulsivität, dann werden durch so einen Ausbruch immer wieder Verletzungen gerissen. Meist „nur“ mit Worten. Doch auch die können tiefe Wunden reißen, das wird oft vergessen. Es werden Gemeinheiten gesagt, es wird gezischt, geschrien, es wird mit Gegenständen geworfen, getrampelt, gestampft, gegen Möbel getreten.

Exkurs: Gewalt

Im schlimmsten Fall eskaliert es zu körperlicher Gewalt gegen den anderen. Meist ist der Betroffene eine nahestehende Person, die Partnerin, der Partner oder ein Kind. Es soll in dieser Folge nicht um Gewalt in der Partnerschaft gehen, das wäre mal ein eigenes wichtiges Thema. Deshalb nur kurz ein paar Worte zur Bewusstmachung, wie das eskalieren KANN:

In 84 Prozent der Fälle häuslicher Gewalt sind Männer die Täter. Gewalt gegen Männer gibt es auch, und zwar häufiger als man denkt. Jedes 3. Opfer häuslicher Gewalt ist männlich, sagt ein Artikel aus dem Ärzteblatt von 2017. Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass es psychologische Gewalt gibt. Demütigungen, Beleidigungen, Drohungen, Erniedrigungen, Erpressung. Gewalt beginnt bereits in unserer Sprache. Und die geht durchaus auch häufig von Frauen aus. Bei den schweren Delikten mit Körperverletzung sind dagegen eindeutig die Männer in der Überzahl.

Doch so weit sollte es ja gar nicht kommen. Wenn doch, bitte holt euch rechtzeitig Hilfe, als Täter und natürlich als Betroffene. Niemand sollte es ertragen müssen, sich zu Hause nicht sicher zu fühlen. Es gibt immer Wege heraus.

Die Lernaufgabe für den Impulsiven ist Impulskontrolle. Die Kontrolle zurück bekommen über die eigenen Gedanken, Gefühle und Taten.

 

Ursachen fehlender Impulskontrolle

Heute soll es tatsächlich um die Vermeidung von Eskalation und impulsiven Ausbrüchen gehen. Wie können wir vermeiden, dass ein Ärger in einen Wutausbruch eskaliert? Wie kann ein hitziger Charakter mit seiner Impulsivität und Unbeherrschtheit umgehen?

Dazu schauen wir uns am besten mal mögliche Ursachen an. Die Ursachen für fehlende Impulskontrolle sind vielfältig:

  • Ein schwaches Selbstwertgefühl und die Überzeugung, sich schützen zu müssen.
  • aggressive oder impulsive Vorbilder in der Familie
  • eigene Gewalterfahrungen
  • Fehlende Strategien, mit Anspannung und unangenehmen Gefühlen umzugehen
  • Ein negativer innerer Dialog, der den Ärger befeuert. (Unterbewusst oder bewusst)
  • Es kann auch ein Symptom einer versteckten Depression sein, vor allem bei Männern. (Seite: Neurologen und Psychiater im Netz:)

Männer, die unter Depressionen leiden, sind oft nicht nur antriebslos, niedergeschlagen und verstimmt sondern haben daneben bestimmte geschlechtsspezifische Ausprägungen des Symptomspektrums. „Bei depressiven Männern tritt oft gereiztes und impulsives Verhalten sowie vermehrter Ärger und eine niedrige Stress-Toleranz auf. Oftmals sind sie geradezu feindselig und aggressiv gegenüber ihrer Umwelt und legen dabei eine nach außen gerichtete Vorwurfshaltung an den Tag“, erläutert Dr. med. Josef Hättenschwiler von der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP), die ihren Sitz in Bern hat. „Betroffene geraten dann oft bei Kleinigkeiten in Wutausbrüche und neigen zu übertriebenen Ansichten, was sie im Nachhinein dann bedauern.“

 

  • Bei Frauen in der zweiten Zyklushälfte kann es sich auch um PMDS (prämenstruellen dysphorischen Störung) handeln, was seit kurzem erst als behandlungsbedürftige Störung im amerikanischen DMS 5. 3-8 Prozent der Frauen sind davon betroffen und erleben sich in dieser Zeit als anderer Mensch. Es leidet auch das soziale Umfeld darunter. Es ist sozusagen eine kurzeitige Depressive Phase mit stark erhöhter Aggressivität und Reizbarkeit.
  • Unterdrückte Bedürfnisse nach Essen, Schlaf, Erholung und auch Sex spielen eine Rolle
  • Bemerkenswert: Glucosemangel, also Unterzucker, wenn jemand dringend Essen bräuchte, spielt nach neuesten Erkenntnissen eine erstaunlich große Rolle.

 

Was passiert bei einem Ärger-Ausbruch oder Wutanfall?

Das gefährliche daran ist, dass der präfrontale Kortex des Gehirns dann ausschaltet. Dieser große Frontallappen unseres Gehirns ist eigentlich zuständig fürs rationale Denken, für den Verstand, für die Vernunft. Das heißt, sobald etwas als Kränkung wahrgenommen wird, ist es ja quasi eine Bedrohung unseres Selbstwerts und wir reagieren dann nur aus unserem Reptiliengehirn heraus: Dieses setzt durch die Freisetzung von Stresshormonen in Kürze enorme Energien frei, denn es geht quasi ums Überleben: Fight- Flight or Freeze sind die 3 F Strategien, die das Überleben sichern sollen. Das braucht Kraft: um zu kämpfen oder schnell davonzurennen. Es reagiert verständlicherweise blitzschnell, schließlich zählt beim Überleben jede Sekunde.

Diese frei gesetzten gewaltigen Energien müssen irgendwie nach draußen: Wie? Mit einem Wortschwall, durch Schreien und durch Bewegung, körperliche Kraft.

Ein Nachdenken ist kaum möglich, oder? So jedenfalls erscheint es dem impulsiven Menschen. Er fühlt sich dann quasi davongerissen von einer Welle des Ärgers und der Wut.

Er sagt dann richtig gemeine Sachen und richtet manchmal auch physische Schäden an. Der geringste Schaden ist es dann noch, wenn Sachen dabei kaputt gehen.

 

Der eine bereut nachher

Die einen Impulsiven (Typ1) bereuen es nachher zutiefst und zerfleischen sich quasi hinterher selbst mit größten Vorwürfen. Es richtet sich danach also der Ärger nach innen:

„Wie konnte ich nur so sein? Warum hab ich mich einfach nicht im Griff? Ich liebe doch eigentlich diesen Menschen, warum bin ich nur so gemein und furchtbar zu ihm. Warum lass ich mich so sehr reizen? Ich bin doch eigentlich gar nicht so. So will ich doch gar nicht sein! Was passiert da mit mir? Ich mach noch alles kaputt!“…sind so typische Gedanken eines impulsiven Ärgertyps, der sich zu gerne ändern würde, wenn er es nur könnte.

Wenn der impulsive Ausbruch bereut wird, dann ist auf jeden Fall die Einsicht da, dass das eigene Verhalten der Beziehung schadet. Dann will derjenige was ändern und ist bereit dazuzulernen, sich weiterzuentwickeln. Diese Menschen entschuldigen sich nachher und versuchen, den Schaden wieder gut zu machen. Sie strengen sich dann eine Weile besonders an oder bringen Geschenke mit oder suchen irgendeine Form der Wiedergutmachung. Und doch passiert es ihnen immer und immer wieder. Sie können einfach nicht aus ihrer Haut. Irgendetwas reizt und triggert sie so dermaßen, dass sie explodieren.

Der impulsive Ärgertyp erinnert mich immer an den 16järigen Marty Mc Fly aus „Zurück in die Zukunft 1“, ein super Film aus den 80er Jahren. Es brauchte nur irgendjemand sagen: Mc Fly, du bist eine Null… und er ließ sich provozieren und tickte aus. Jedes Mal, man konnte die Uhr danach stellen. Der Spruch kam – es dauerte 2,3 Sekunden… das Gesicht lief rot an und Mc Fly stürmte zum Angriff los, obwohl er eigentlich keine Chance gegen den stärkeren hatte.

Ich vermute mal, dass du einer von diesen impulsiven Menschen bist, wenn du diese Folge hörst. Die sich nachher über sich selbst ärgern und am liebsten mehr Kontrolle über ihre Gefühle hätten.  Oder aber dein Partner ist so einer oder jemand anders den du kennst, hat ein ähnliches unkontrolliertes Reaktionsmuster.

 

Der andere hat keine Einsicht

Bei anderen impulsiven Ärger-bzw.  Wuttypen (Typ2) dagegen ist keinerlei oder kaum Einsicht da. Sie werden deshalb wohl eher nicht diese Folge hören.

Weil sie nicht realisieren (wollen), dass sie Verantwortung für ihr Verhalten tragen. Daher wird sich auch hinterher nie entschuldigt und auch kein Bedauern ausgedrückt. Ganz wichtig für Angehörige: Wenn keine Einsicht da ist, dann wird sich auch gar nichts ändern.

Wenn jedoch ein Paar mit Beziehungsproblemen zu mir kommt und sie eigentlich an ihrer Beziehung gerne festhalten würden, doch immer wieder entstehen Verletzungen durch zu heftige Streits …

…dann muss ich mit einem oder beiden erstmal an ihrem Ärgerkonzept arbeiten. Meist ist da nämlich eine ganz einseitige Vorstellung vorhanden, dass der andere am Ärger die Schuld trägt. Der Finger wird dann nur auf den anderen gezeigt und es wird vergessen, dass immer drei Finger auf einen selbst zurückweisen. So kommt derjenige aus seinem Verhalten nicht raus. So kann man dem anderen Partner eigentlich nur raten, sich zu trennen, wenn es immer wieder zu heftig ist oder bevor noch schlimmeres passiert.

Man sollte als Angehöriger auch daran denken, dass eine Erkrankung dahinter stecken kann und  bei der Vermutung denjenigen überreden, sich ärztlich-psychiatrisch untersuchen zu lassen: auf Depression oder andere psychische Erkrankungen.

Doch nun für alle Normalgestörten impulsiven Menschen:

 

Wie kommen wir in mehr Kontrolle?

Ausgeglichene Lebensweise: Selbstfürsorge

Wer sich kontrollieren kann, tut sich leichter im Leben. Die eigenen Gedanken, Gefühle und das eigene Verhalten zu kontrollieren ist eine wichtige Eigenschaft fürs Lebens- und Beziehungsglück. Forscher haben übrigens herausgefunden, dass wir umso impulsiver sind, je stärker wir uns vorher in anderen Dingen kontrolliert haben. Wenn wir bei der Arbeit zu lange sitzen mussten und deshalb zu wenig Bewegung haben, wenn Kinder zu lange still sein müssen, wenn wir als Erwachsene schweigen obwohl uns etwas auf der Zunge liegt, wenn wir zu wenig essen und das Schlafbedürfnis ignorieren für die Arbeit bis spät nachts oder zu viel Fernsehen – dann haben wir zu lange wichtige Impulse unterdrückt. Es hat sich dadurch zu viel in uns angestaut und irgendwann bricht es hervor. Die Energie braucht ein Ventil. Eine scheinbare Kleinigkeit, bringt dann den aufgeblasenen Ärgerballon zum Platzen.

Wie vorhin schon erwähnt ist Glucosemangel ein ganz entscheidender Faktor. Wenn jemand also im Unterzucker ist, ist er um ein vielfaches gereizter und impulsiver. An dieses einfache Mittel sollten impulsive Menschen und auch deren Angehörige denken und immer einen Apfel, eine Banane oder einen Müsliriegel zum Überbrücken zwischen Mahlzeiten dabei haben. Das stammt aus Studien der Verhaltensforscherin.

Deshalb ist eine gute Vorsorge für die eigenen Grundbedürfnisse ganz wichtig, um ausgeglichener und stabiler im Alltag zu sein.

Um gut für sich sorgen zu können, müsste man rechtzeitig die eigenen Grenzen spüren – sowohl die körperlichen als auch die psychischen Grenzen, also wenn einem z.B. spitze Bemerkungen zu weit gehen oder man nicht einverstanden ist mit dem Verhalten anderer.

Dann müsste man rechtzeitig einschreiten und diese Grenze auch klar und deutlich mitteilen. Nein sagen, wenn einem etwas nicht passt. Wenn rechtzeitig eine bessere Wahrnehmung fürs eigene Befinden da ist, dann könnte man noch ruhig und friedlich mitteilen: stopp, bis hierher und nicht weiter.

Genau darin liegt häufig ein großes Problem. Denn es beginnt bereits damit, dass nicht gespürt wird, wenn es einem schon längst zu viel ist. Man lässt viel zu lange gewähren und hält den Mund, (um den anderen nicht zu verletrzen, die Harmonie nicht zu stören, Energie zu sparen) inzwischen schwillt der Ärger an und irgendwann ist der innere Druck so groß, dass man völlig unkontrolliert explodiert.

Rechtzeitig gut für die eigenen Bedürfnisse sorgen kann man deshalb nur, indem man sich zunächst einmal spüren lernt. Wie? Durch achtsame Wahrnehmung des eigenen Körpers und eine bewusst entschleunigte und ausgeglichene Lebensweise. Durch genügend Bewegung, genügend Pausen, genügend Erholung und Ausgleich im Alltag. Meditation, Yoga, autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder MBSR-Achtsamkeits Kurse sind dabei sehr wertvolle Ergänzungen zu Sport, der auch aggressive Energien abbaut.. Bewegung jeder Art hilft für mehr innere Ausgeglichenheit.

Sich abgrenzen lernen. Rechtzeitig erforschen, was man selbst gerade braucht und auch mal zu anderen nein ruhig und entschieden nein sagen können.

Oft geht es den impulsiven Ärgertypen um fehlenden Respekt, um mangelnde Wertschätzung, die sie kränkt.

Tatsächlich bedeutet Selbstfürsorge, sich selbst eben genau diesen Respekt und diese Wertschätzung entgegen zu bringen.

Sich selbst zu achten, indem man sich wahrnimmt und die eigenen Bedürfnisse ernst genug nimmt, um für sich einzustehen.

 

Arbeit am innerer Dialog + Selbstwert

Besser noch ist es, wenn erst gar keine Aggressionen mehr entstehen. Wenn der Ball flach gehalten wird, der Ärger keinen Raum mehr bekommt. Denn Ärger und Wut entstehen durch Gedanken, Interpretationen und Bewertungen dessen, was man erlebt.

Warum?

Aufgrund von früheren Erlebnissen und Überzeugungen. Irgendwann sind wunde Punkte entstanden, meist in Kindheit und Jugend, wo wir dann besonders leicht getriggert werden.

Zum Beispiel könnten solche Überzeugungen sein: Ich werde nicht ernst genommen. Ich werde immer übersehen. Oder: Ich muss mich schützen. Die anderen wollen mir weh tun, sie ärgern mich absichtlich.  Ich muss stark sein und darf mir nichts gefallen lassen.

Durch entsprechende Gedanken gibt es die vertrauten, unangenehmen Gefühle. So befeuern wir unseren Ärger und blasen eine Situation so richtig auf.

Eng verbunden damit sind oft Selbstzweifel und ein schwaches Selbstwertgefühl.

Wenn ich zum Beispiel tief drinnen zweifle, ob ich wertvoll genug bin für meine Partnerin oder meine Arbeit, dann trifft eine kleine Bemerkung umso härter und führt zur Kränkung:

„Na, liegst du schon wieder auf der Couch?“ Oder: „Hast du immer noch nicht in der Werkstatt angerufen?“ „Jetzt hast du wieder nicht drangedacht, Ketchup mitzubringen.“

Das setzt nämlich bei Selbstzweifeln und dem Bedürfnis nach Schutz der eigenen Würde Denkprozesse in Gang in die Richtung: „Jetzt traut die mir nicht zu, dass ich selber dran denke. Immer muss sie mir Vorschriften machen. Sie behandelt mich wie ein kleines Kind. Das ist total respektlos. Ich lass mir doch nicht sagen, was ich tun soll!“

Tatsächlich behandeln nicht wenige Frauen ihre Männer wie kleine Kinder, kontrollieren und bevormunden sie. Doch das liegt auch daran, weil diese es mit sich machen lassen. Im Herzen, tief drin, fühlen sie sich und benehmen sie sich auch wie ein Kind, doch irgendwann merken sie, dass ihnen die Felle davonschwimmen und sie fühlen sich klein und schwach und der Partnerin unterlegen. Dies macht sie wütend und sie üben Rache, wenn das Fass überläuft. Dann spielen sie ihre körperliche Überlegenheit aus.

„Ich muss mich verteidigen, ich muss mich wehren, ich muss meine Ehre retten, mein Gesicht wahren, mich stark zeigen…“ – all das sind Sätze, die den impulsiven meist unbewusst antreiben und bewirken, dass er überreagiert.

Am besten arbeitet man an diesen Glaubenssätzen, löst sie auf und ersetzt sie durch neue, hilfreiche. Der gesamte innere Dialog muss sich ändern in Richtung liebevoll, ermutigend, aufbauend.

Der impulsive Wüterich braucht einen liebevollen Umgang mit sich selbst, dann kann er auch liebevoller und nachsichtiger mit anderen sein.

Die Arbeit am eigenen Selbstwertgefühl ist deshalb von enormer Bedeutung. Er muss sich wertvoll fühlen und zwar wertvoll genug, um für sich gut zu sorgen.

Vor allem auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Erwachsenen-Ich und dem Kinder-Ich, das jeder in sich trägt. Wenn ich in mir stabil bin und glauben kann, dass ich genug leiste und genug bin, dass ich in Ordnung bin und liebenswert. Dann kann mich auch keiner so leicht triggern. Dann gehe ich in schwierigen Situationen bewusst in mein starkes Erwachsenen-Ich und behaupte mich auf erwachsene Art und Weise, nicht wie ein trotziges, hilfloses Kind im Tobsuchtanfall.

Der wichtigste Tipp:

Lerne dich zu spüren und dadurch rechtzeitig, über Dinge sprechen, die einen stören. Rechtzeitig die eigene Wahrheit sagen. Bevor sich etwas anstauen und aufblasen kann.  Das bedeutet, sich selbst zu respektieren und wertzuschätzen UND gibt den anderen eine faire Chance. Das macht die Beziehung berechenbarer und sicherer.

Ich sehe das Gute in dir.

Deine Kerstin von Lichtfinder

Hier geht es zum pdf Erste-Hilfe-Strategien im Umgang mit wütenden Menschen. 

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