Wut und Aggression kommen oft daher, dass wir denken, ein anderer hätte unseren Schmerz verursacht und deshalb verdient derjenige jetzt Strafe. Aus dieser Haltung heraus empfinden wir unseren Ärger in dem Moment als vollkommen gerechtfertigt.

Heute war zum Beispiel das Foto einer verletzten Fundkatze in der Zeitung. Sie musste am Auge operiert werden, das jedoch nicht mehr zu retten war. Jemand hatte offenbar mit einem Luftgewehr auf sie geschossen. Was ging dem wohl voraus?

Die Geschichte könnte sich in etwa so abgespielt haben: (Statistisch gesehen, verüben eher Männer solche Taten, daher nehme ich im Beispiel einen Mann.)

Täglich ärgert sich Herr Hintertupfer über die Katze seines Nachbarn, die ihm in die Blumenbeete ihre Häufchen setzt und zeremoniell vergräbt. Oft hat er bei der Gartenarbeit schon eines dieser Würstchen zwischen seinen Händen gehabt und sich geekelt. Nachts hört er im Frühjahr und Sommer bei offenem Fenster die Schreie der paarungsbereiten Katzen. Es ähnelt jedes Mal einem Babygeschrei und raubt ihm die Nachtruhe. Seine Wut auf Nachbars Katze wächst jedes Mal, wenn er sie wieder dabei entdeckt und eines Tages nimmt er sein Luftgewehr und schießt. Sie schreit jämmerlich und flüchtet getroffen über den Zaun.

Als der Mann ihr Foto in der Zeitung entdeckt, denkt er sich. „Geschieht ihr nur Recht! So wird sie es sich merken.“ Er unterstellt dem Tier gemeine Absicht. Das hat über die Zeit seine Wut dermaßen geschürt, dass er sich schließlich „rächte“.

Herr Vorderseher legt auch Wert auf seine Blumenbeete und ist nicht erfreut über die getigerte Katze, die täglich zu Besuch kommt. Doch er ist ein zufriedener Mensch und mochte Tiere schon immer gerne. Liebevoll verscheucht er die Katze, indem er in die Hände klatscht und ihr zuruft: „Mach mal dein Geschäftchen woanders! Gsch!!!“ „Irgendwo musst du, ich weiß…,“ denkt er sich dann. Wenn sie sich in die Ecke seines Gartens setzt, ist das auch in Ordnung.

Noch vor ein paar Jahren wäre dem Luftgewehr-Schützen die Katze gar nicht aufgefallen. Damals hatte er noch Job, Frau und Familie. Doch jetzt ist alles weg, er sitzt zu Hause, schaut oft aus seinem Fenster und ist voller Frust auf Gott und die Welt. So ist die Katze an sich gar nicht die Ursache für die Entladung seiner Wut gewesen. Wohl aber war sie der Auslöser. Sie war der Tropfen, der das Fass seiner Gefühle zum Überlaufen gebracht hat.

Die Ursache für seine Wut war also nicht die Katze, sondern es waren in dem Moment seine unerfüllten Bedürfnisse. Das soll seine Tat nicht entschuldigen. Wenn dieser Mann es jedoch schaffen würde, zu schauen, was da so unerfüllt ist und sich darum kümmern würde, müsste er seine Wut zukünftig nicht an unschuldigen Tieren oder sogar Menschen abreagieren. Womöglich ist er sehr frustriert und braucht dringend eine neue Aufgabe, einen neuen Sinn in seinem Leben.

In jedem Fall würde ich ihn gerne einladen zu einem Intensiv-Coaching mit Schwerpunkt Gewaltfreier Kommunikation. Er könnte lernen, Dinge gelassener zu sehen, weniger zu bewerten und mehr hinter die Kulissen bei sich und anderen zu schauen. Sich nicht mehr länger als Opfer der Umstände sehen, sondern wieder entdecken, welche Möglichkeiten er selbst hat, sein Leben wieder zum Positiven zu wenden.

Das könnte weiteres Leid vermeiden und ihn wirklich vorwärts bringen in Richtung eines glücklichen, erfüllten Lebens. So ist meine Arbeit auch immer ein Stück Friedensarbeit.

Kennst du jemanden, der so ein Coaching gut gebrauchen könnte?