Chronische Krankheiten und psychosomatische Beschwerden

„Sag du’s ihm“

Unterhielten sich die Seele und der Körper über den Menschen:

„Sag du’s ihm“, sprach die Seele zum Körper. „Auf mich hört er ja nicht.“

Und so kamen Kopfschmerzen, Verspannungen, Heiserkeit, Sodbrennen und Magendrücken, Durchfall und Hautausschläge des Wegs… Gelegentlich muss dabei eine Migräne her oder sogar ein Knochenbruch, um den Menschen mal eine Weile aus dem Verkehr zu ziehen.

Alzheimer lässt vergessen, was nicht mehr erinnert werden will. Herz und Nieren werden schwach, weil zu lange zu vieles zu nahe ging.

Wenn die Seele nicht gehört wird, dann schreit der Körper. Solange, bis wir die Botschaft endlich verstehen.

Chronisch krank, nicht ohne Grund

Bei chronischen Krankheiten schreit die Seele sozusagen über den Körper.

Keine Krankheit kommt ohne Grund zu uns. Wir müssen im Gegenteil sogar ziemlich hart daran arbeiten, diese Krankheit entstehen zu lassen: Migräne, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-  oder Verdauungsbeschwerden, Diabetes Typ II… All das kommt genauso wenig „angeflogen“ wie eine Depression, auch wenn es demjenigen so erscheint.

Leider behandelt die Schulmedizin fast ausschließlich das jeweilige Symptom, das an der Oberfläche in Erscheinung tritt. Mit der Folge, dass halbwegs damit gelebt werden kann, jedoch keine wirkliche Gesundung eintritt.

Während die Schulmedizin in manchen Bereichen wie der Chirurgie vermutlich unverzichtbar ist, so ist sie in den Feldern der chronischen Krankheiten gerade mal ein Pflaster-Draufkleber. Das ist ungefähr so, wie wenn im Auto das Öllämpchen aufleuchtet und wir machen einen Smiley-Aufkleber drüber.

Meine eigene Krankheitsgeschichte

Ich hatte schon jahrelang allerlei psychosomatische Beschwerden, eine ganze Palette davon. Magen-Darmbeschwerden, Allergien, Hautreaktionen, starke Verspannungen. Dann kam der Schilddrüsenkrebs.

Nach der Krebsbehandlung machte ich im Grunde weiter wie zu vor und bekam bald darauf chronische Muskel- und Sehnenschmerzen, die an schlimmen Tagen wie schwere Gliederschmerzen bei einer Grippe in den ganzen Körper ausstrahlten. Dazu ein großes Schwäche- und Erschöpfungsgefühl. Eine somatisierte Depression, wurde mir gesagt.

Unheilbar, das Schmerzgedächtnis ließe sich heutzutage noch nicht zurückdrehen. Dies wurde mir von mehreren Seiten diagnostiziert. Dabei arbeitete ich all die Jahre weiter, nicht Vollzeit, doch ich wollte funktionieren, als Mutter meiner Töchter, als Klassenlehrerin meiner Grundschüler, als gute Kollegin, als Ehefrau etc..

7 Jahre lang suchte ich nach Ärzten und Heilern aller Art, die mich befreien sollten von diesen Symptomen. Die Akte mit Befunden füllte mittlerweile einen Ordner. Bis nach München, über 2 Autostunden weg fuhr ich zur Atlaskorrektur bzw. zur chinesischen Schmerztherapie.

Die Hoffnung war anfangs immer groß gewesen, bei jedem neuen Heilungsversuch. Erstaunlicherweise ging es oft direkt nach einem Arztbesuch, der mir Hoffnung machte, wenigstens einen halben Tag lang besser. Tja, was Hoffnung ausmacht. Am nächsten Morgen jedoch war alles wieder beim Alten.

Ich hatte auch zugegebenermaßen kein langes Durchhaltevermögen. Wenig Geduld. Zu viel schon ausprobiert, nix hatte geholfen. Wenn es nach einer Woche nicht ein kleines Stück besser war, gab ich resigniert auf.

Der Neurologe wollte die Schmerzsymptomatik unbedingt mit Psychopharmaka lösen. Mein persönlicher Höllentrip. Vier Monate lang probierte ich verschiedenste Tropfen und Tabletten aus. Starke Nebenwirkungen waren die Folge, jedoch fast keine Wirkung, außer eine Dämpfung meiner gesamten Gefühlswelt.

„Sie brauchen was, damit sie gut schlafen können.“, sind mir die Worte des Arztes noch im Ohr.

Dabei war ich eigentlich immer sofort eingeschlafen, denn die Nacht war kurz, ich ging spät ins Bett, arbeitete oft bis 23 Uhr am Schreibtisch, manchmal noch länger. Danach wollte ich noch lesen, um wenigstens noch ein bisschen Freizeit zu haben. Meist wurde als halb eins, bis das Licht ausging. Dann schlief ich bis kurz vor 6.

Doch ich ließ mich überreden zu den Medikamenten. Nun war ich jedoch am Morgen so müde, dass ich nicht mehr richtig wach wurde. Also der Arzt: „Sie brauchen was zum Wachwerden am Morgen.“

Wie ein Zombie lief ich bald durch den Tag. Ich wundere mich heute, wie ich dennoch die meiste Zeit funktionierte. Die Arbeitszeit reduzierte ich so weit ich konnte und stand es irgendwie durch. Spritzen ergänzten das wunderbare Behandlungsprogramm des Neurologen und die Empfehlung:

„Wenn es immer noch nicht wirkt, müssen wir die Dosis erhöhen.“

Bis ich bei der Beerdigung einer Kollegin da saß und keine Träne weinen konnte, weil meine Gefühle so stark gedämpft waren. Ich, die schon immer bei einem Lassie Film zuverlässig in Tränen ausgebrochen ist, so nah am Wasser war ich immer gebaut gewesen.

Ich beschloss mit der neurologischen Behandlung aufzuhören. Bei manchen Menschen scheinen Antidepressiva auch nicht zu wirken, sagte mir Google. Doch war ich überhaupt depressiv gewesen?

Anfangs hätte ich das klar verneint. Ich fühlte mich nicht depressiv. Doch mein Körper schrie. Erst der Krebs, dann die Schmerzen. Ich verstand nicht, was das bedeuten sollte. Ich wollte einfach nur wieder funktionieren. Wieder Energie haben und mich gut fühlen. Stattdessen wurde es eher schlechter.

Irgendwann kam ich dann tatsächlich in eine schwere Depression. Das war kein Burnout mehr. Über Jahre hinweg ein Schmerz-Therapieversuch nach dem anderen  – und nichts hatte geholfen. Ständig diese Muskelschmerzen, nicht wirklich leistungsfähig, dabei Arbeit ohne Ende: eigene Kinder, Schulklasse und Leitungsaufgaben, Haus, Garten, großer Hund etc. etc.

Ich verstand die Botschaft meines Körpers nicht.

Als immer mehr Beschwerden hinzukamen, begab ich mich für mehrere Wochen in eine psychosomatische Klinik. Mein Körper spielte offenbar verrückt. Das sollte endlich aufhören.

Erst nach Jahren der Leidenszeit und Heilungssuche wurde es mir in dieser Klinik etwas deutlicher gemacht: die Gedanken, die ich denke, spielen eine Rolle, lernte ich. Nein sagen und Grenzen setzen wären wichtige Themen für mich. Ich sollte mich nicht auf den Schmerz konzentrieren an den schlimmen Tagen, sondern mich ablenken.

Ich nahm viele Anregungen auf. Während des Klinikaufenthalts blühte ich direkt auf, war wenige Tage sogar gänzlich schmerzfrei, zum ersten Mal seit 7 Jahren.

Doch als es gegen Ende der Reha-Zeit ging, wurden die Schmerzen wieder stärker. Zu Hause war schnell alles beim Alten.

Ich war in mein altes Umfeld zurückgekehrt, in die unglückliche Ehe, in den Beruf, der mir mehr Kräfte abverlangte als ich hatte.

Ich unternahm irgendwann einen weiteren Versuch mit Antidepressiva, diesmal sehr vorsichtig dosiert, das ging besser. Doch die Belastungen in Schule und Privatleben waren so groß, dass der nächste Zusammenbruch folgte. Wochenlang kam ich nicht hoch, hatte null Kraft mehr.

Daraufhin stieg ich aus, aus meinem Beruf, der mir immer so wichtig gewesen war.

Ich war Lehrerin mit Leib und Seele gewesen. Es war eine Berufung gewesen, ich hatte die Kinder sehr gern, fast wie meine eigenen. Doch der Lärm, die Anstrengung, für Ruhe zu sorgen, die fehlende Kraft, streng und konsequent zu sein, machten mir die Unterrichtsvormittage immer wieder zur Hölle.

Ich konnte nicht mehr, schon gar nicht in diesem System, in diesem engen Korsett, ohne Auszeiten zwischen den Stunden, immer am Präsentierteller zu sein. An den Tagen der Pausenaufsicht war tatsächlich nicht einmal Zeit, um auf die Toilette zu gehen. Wenn es denn sein musste, so schnell wie möglich, denn währenddessen war die Klasse ja unbeaufsichtigt.

Über die Missstände in unserem Schulsystem könnte ich vieles schreiben. Sie erleichtern den Lehrern nicht gerade ihre ohnehin höchst anspruchsvolle Aufgabe, zu erziehen und zu unterrichten. Sie befeuern tatsächlich die Notlage und führen dazu, dass der Großteil der Pädagogen weit vor dem Ruhestandsalter keine Kraft mehr hat. In meiner Dienstzeit erlebte ich selbst den vorzeitigen Tod zweier meiner Schulleiter und zweier Kollegen rund ums 60. Lebensjahr.

Also die ruhige Kugel schieben sieht definitiv anders aus. Doch das ist ein anderes Thema und könnte ein Buch füllen.

Zurück zu den psychosomatischen Beschwerden:

Erst als ich verstand, mit der Zeit, was mein Körper mir sagen will, was meine Seele wirklich braucht und welchen Einfluss ich selbst auf die Gestaltung meines Lebens habe, begann die Heilung.

Ich setzte mich sozusagen mit meinen Schatten auseinander.

Ich begriff, dass es manchmal nicht genügt, immer nur an sich selbst und seiner Einstellung zu arbeiten.

Das hatte ich bereits jahrelang versucht. Doch krampfhaft positives Denken, verdrängen des Seelenschmerzes und der Versuch „happy life“ zu spielen, hatte mich genau dahin gebracht, wo ich war: in die chronischen Schmerzen und die wiederkehrende Depression.

Das Prinzip des „Fake it until you make it“ – das “So tun als ob” ist manchmal zwar wirklich sehr hilfreich. Doch wenn der ganze Lebensentwurf zum FAKE wird, dann muss schließlich der Körper schreien, damit das Ich endlich die Kurve kriegt und einen anderen Weg einschlägt.

So setzte ich mich ausführlich mit den folgenden Fragen auseinander und machte eine Ausbildung nach der anderen zu diesen Themen:

  • Was brauche ich jetzt wirklich?
  • Welche Menschen tun mir gut, welche ziehen mir Energie?
  • Welches Arbeitsumfeld schadet mir, welches würde mich beflügeln?
  • Welche Denkmuster sind hilfreich, welche nicht?
  • Welche Sprachmuster sind hilfreich, welche nicht?
  • Worum geht es mir in meinem Leben? Was sind meine Werte und Prioritäten?
  • Wovon brauche ich mehr in meinem Leben, wovon weniger?
  • Was kann ich jetzt tun, damit es mir besser geht?

Das ist Salutogenese, das ist der Weg zur Gesundwerdung.

Ich bin diesen Weg selbst gegangen, hab die Fragen für mich beantwortet und in die Tat umgesetzt. Nach und nach heile ich, immer mehr. Ich habe die Schmerzen heute so gut im Griff, dass ich mehrere Stunden pro Woche arbeiten kann. In dieser Zeit kann ich schreiben, podcasten und anderen im Coaching helfen, bei ihrer Selbst-Heilung.

Was ich für dich tun kann

Mit diesen Fragen arbeite ich heute. Mit erwachsenen Menschen, die freiwillig zu mir kommen, die sich verändern wollen, in ruhiger Umgebung (zur Zeit vor allem online). Das hilft nicht nur meiner eigenen Gesundheit, das gibt mir auch eine sinnhafte Arbeit. Ich darf einen Beitrag leisten, dass Menschen (wieder) glücklich werden.

„Licht und Schatten“ ist das Prinzip, nach dem ich arbeite. Wir finden die Schatten heraus und lernen sie zu verstehen.

Wir verdrängen nicht länger den „Schmerz“ bzw. die unangenehmen Gefühle. Wir hören die Botschaft des Körpers und lassen sie bei uns ankommen.

Sobald wir anfangen, sie zu verstehen, erkennen wir unseren Einfluss auf unser Wohlbefinden und es wird heller.

Und das Licht in uns heilt. Je mehr wir das Licht in uns entdecken und strahlen lassen, umso mehr heilen wir.

Wir entdecken unsere Macht, Einfluss darauf zu nehmen, wie es uns geht. Trotz Diagnose “chronische Krankheit”.

Mehr Licht ins Leben zu lassen vertreibt die Schatten. Das ist der Weg zum Glück.

Ankommen? Im Jetzt. Nicht erst irgendwann.

Das Leben bewusst gestalten UND vertrauen, geschehen lassen. Das sind nur scheinbare Widersprüche. Doch beides ist wichtig.

Lass uns spielen. Deine Schatten annehmen und verstehen. Dein Licht entdecken.

Deine Kerstin von Lichtfinder

PS: Diesen Text gibt es als Podcastfolge zum Hören. Über alle Podcast-Portale, Links auf der Homepage oder auf YouTube. Hier geht’s direkt zum Kanal.

 

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