Sexflaute? – Störungen in der Partnerschaft ansprechen in 4 Schritten

„Ich will mehr Sex in meiner Partnerschaft vs. Ich hab keine Lust“

Was wenn einer in der Parnterschaft mehr Lust hat als der andere? Wenn ER mehr Lust hat als SIE oder umgekehrt? (oder ER-ER, SIE-SIE …)

 –  Diesen Text kannst du als Podcastfolge 99 im Lichtfinder Lebensfreude Podcast hören. Kostenlos und überall, wo es Musik gibt. Mehr dazu. 

Ines, 46 Jahre alt, kam zu mir in die Beratung. Ihr Partner will mehr Sex, sie hat aber schon lange keine wirkliche Lust mehr. Je mehr er  ihr deswegen Vorwürfe macht und seinen Frust herauslässt, umso weniger ist ihr danach.

Das ist tatsächlich ein häufiges Problem und meist leiden die Männer unter der Unlust der Partnerin bzw. sie fühlt sich bedrängt.

Umgekehrt gibt es aber auch Männer, die immer weniger bis gar keine Lust mehr haben. Für die Sex anstrengend geworden ist.

 

Auch die Gene beeinflussen 

Doch genetisch ist es meistens andersherum. Klischeehaft und von der Natur her häufiger ist es so. Männer nutzen Sex häufig zum Stressabbau und brauchen ihn als Liebesbeweis. Frauen dagegen verlieren die Libido wenn sie gestresst sind und brauchen erst den Beweis der Liebe im Alltag, tagsüber, durch Worte, durch Gesten oder durch Unterstützung. Frauen brauchen oft erst etwas Drumherum, um überhaupt das Thema auf den Schirm zu bekommen.

Nachtrag, nur hier im Blog: Laut der berühmten Paartherapeutin Esther Perèl, sei es gar nicht so, dass Frauen weniger Lust hätten auf Sex. Sie seien nur schneller gelangweilt vom Sex mit diesem Mann. 

Dass bedeutet nun nicht, dass sie einen anderen bräuchten, um wieder Lust zu bekommen. Vielmehr sollte es Männer aufrütteln, erfinderischer,  zu werden und nicht nur dieselbe „Nummer“ jedes Mal zu versuchen.

Doch mehr dazu weiter unten.

 

Ansprechen: So besser nicht!

Wenn einer gefrustet ist, wie wird das normalerweise angesprochen?

Bisherige Wolfsmanier: mit Vorwürfen, Bewertungen, Beurteilungen nach dem Motto: „Offen und ehrlich sag ich dir jetzt mal, was mich stört, was an dir falsch ist und was mit dir und unserer Beziehung nicht stimmt.“

So auch Ines langjähriger Lebenspartner Timo. Der irgendwann herausgeplatzt ist:

„Nie hast du Lust. Immer ist was anderes. Mal bist du müde, dann ist es zu kalt oder zu heiß. Dann hast du Rückenschmerzen oder Kopfweh oder du bist einfach nicht in der Stimmung, weil du den Kopf so voll hast. Das geht mir so auf’n Geist! Brauchst dich nicht wundern, wenn ich mir irgendwann mal ’ne andere suche.“

Da hat einer mal richtig schön Frust abgelassen. Was wollte er wohl bezwecken?

Vermutlich, dass die Freundin einsieht, wie schlecht es ihm damit geht und dass er frustriert ist. Dieser Punkt ist mit Sicherheit angekommen. Doch sein eigentliches Anliegen, nämlich öfters intim zu werden, das wird er so wohl nicht erreichen. Denn was passiert nach so einer Vorwurfstirade?

Die Freundin macht dicht.

Es kommt bei ihr vermutlich an: Du bist nicht die, die ich mir wünsche. Du bist verkehrt. Am liebsten hätte ich jemand anderen.

Mit dieser Ansprache macht Timo so ziemlich alles falsch, was man in der Kommunikation falsch machen kann.

Er bewertet, er generalisiert mit immer und nie. Was auch ungerecht ist, denn dadurch wird alles Positive ausgeblendet und nur noch auf das Negative reduziert. Er fordert, er droht.

 

Gehen wir mal den Fall weiter, wie er sich entwickeln könnte, im schlechten Fall:

Wenn sie dann als Konsequenz daraus aus Pflichtgefühl mit ihm schläft, um ihn zu halten und um zu vermeiden, dass er fremdgeht, dann ist die große Leidenschaft auch nicht zu erwarten. Die Folge ist, dass sie sich selbst verrät und ihre Gefühle immer mehr verschließt, denn sie merkt: Eigentlich interessiert es ihn ja gar nicht, wie es ihr wirklich geht. Sie fühlt sich benutzt und eigentlich missbraucht. Die Liebe stirbt.

Er merkt natürlich auch, dass sie mit dem Herzen nicht mehr dabei ist und sucht sich schließlich doch noch eine andere. Ines ist verletzt und auch enttäuscht, weil sie aus ihrer Sicht alles versucht hat, und dennoch ist es auseinandergegangen. Er hat mich nie wirklich geliebt, denkt sie am Ende.

Hat er vielleicht doch mal, jedoch sind durch die schlechte Kommunikation und die fehlende Empathie irgendwann tatsächlich die Gefühle gestorben, auf beiden Seiten.

Soweit sind die beiden zum Glück noch nicht. Und ich hole Timo auch in die Beratung.

 

Ansprechen: So ist es möglich

Wie hätte Timo es anders ansprechen können, dass er sich nach mehr körperlicher Liebe sehnt?

Wie kann man so eine Störung in der Partnerschaft so ansprechen, dass es Aussicht auf ein besseres Miteinander gibt?

Die Antwort: Mit den 4 Kern-Schritten der Brückenkommunikation.

In der Brückenkommunikation erforschen wir erstmal, wie es uns selbst gerade mit etwas geht.

(Für die Grundlagen höre am besten Folge 98 an.) Wir gehen die 4 Schritte für uns selbst einmal durch:

  1. Beobachtung
  2. Gefühl
  3. Bedürfnis
  4. Bitte

 

  1. Was ist zu beobachten?
  2. Wie geht es mir damit? (Welches Gefühl ist dabei zu fühlen, wo im Körper fühle ich es?
  3. Auf welches Bedürfnis weist dieses Gefühl hin? Was ist es also, was ich wirklich brauche?
  4. Welche konkrete Bitte habe ich an mich selbst? Kann ich mir das ein Stück weit selbst erfüllen? bzw. Welche konkrete Bitte habe ich an sie/ihn? Was würde ich mir von meiner Partnerin wünschen?

Um diese 4 Schritte besser zu verstehen, gehen wir mal die bisherige Äußerung durch. Was war daran „trennende“ Kommunikation?

 

Zu 1. Bisher war es keine Beobachtung, sondern eine Verurteilung: Du immer, nie hast du Lust.

Zu 2. Bisher war es kein Gefühl, sondern ein Gedanke: Ich finde das unmöglich. So sollte man keine Paarbeziehung führen.

Zu 3. Bisher war es kein Bedürfnis, das benannt worden ist sondern ein Festhalten an einer Lieblingsstrategie. Sie soll öfter mit mir schlafen.

Das eigentliche Bedürfnis, sich näher zu kommen, echte Intimität oder auch Leidenschaft zu erleben kann nicht nur auf die eine Art und Weise:

23 Uhr ins Bett, Licht aus, so jetzt schlaf mit mir – erfüllt werden.

Solange der eine Part jedoch an dieser altbekannten Strategie festhält, ist die Situation verfahren, es wird immer schlimmer.

Hilfreich: Bedürfnisse benennen. Sich damit für vielfältige Strategien öffnen.

Wichtig: Die Gefühle und Bedürfnisse des anderen Parts sind dabei auch beachten!!! Es wäre nicht im Sinne der Sache, nur von sich selbst auszugehen.

Es geht hier ja im besten Fall um ein Miteinander. Nicht ein „Lass mich mal an dir mich ausleben und mir ist egal wie es dir dabei geht.“

 

Mögliche Bedürfnisse könnten sein:

  • Ich brauch das Gefühl, geliebt zu werden.
  • Ich hätte gerne Abenteuer.
  • Abwechslung, mehr Lebendigkeit.
  • Ich wünsche mir mal was Neues (neue Umgebung, neuer Rahmen, neue Rolle?).
  • Ich brauch mal Überraschung oder auch was Spielerisches dabei.
  • Ich will auch im Alltag gesehen werden und wichtig für dich sein.
  • Ich wünsche mir Interesse und Eingehen auf meine Bedürfnisse.
  • Ich brauche ein gepflegtes Äußeres, damit ich mich wohl fühle.

Häufig in langjährigen Partnerschaften: Die Spannung ist abhanden gekommen. Es wirkt langweilig, eingeschlafen. Es gibt also definitiv ein Bedürfnis nach mehr Knistern, mehr positiver Spannung!

Wichtige Fragen sind zu klären:

Sind wir uns vielleicht auch zu nah – so wie beste Freunde? Denn zu viel Nähe killt auch die Leidenschaft. Was im Alltag wunderbar ist, ist im Bereich des Bettes nicht unbedingt jederfraus Sache. Täte uns mal etwas Distanz gut, wenn jeder auch was für sich alleine macht?

Zu viel Nähe im Alltag kann tatsächlich ein Hindernis sein kann. Dann sind neue Strategien gefragt.

Beides findet man aber nur heraus durch Nachfragen. Manchmal wünscht sich Frau auch mehr Dominanz im Bett, wo es im Alltag gar nicht gehen würde, weil ihr grundsätzlich die gegenseitige Augenhöhe und Gleichberechtigung wichtig sind. Doch für Leidenschaft gelten auch mal andere Regeln.

Dann will sie nicht, dass gewartet wird, bis sie endlich mal Lust hat, dann will sie verführt und erobert werden. Dann dürfte er auch mal zeigen, was er will und es sich holen. Natürlich mit Gespür, ganz klar. Wenn der Appetit beim Essen doch nicht kommt, dann hat es wohl noch andere Gründe und dann ist natürlich auch wieder Rücksichtnahme gefragt.

 

Wann ansprechen?

Geduldig sein, einen guten, entspannten Zeitpunkt finden, um das Thema anzusprechen. Erstmal selbst für mich sorgen. Denn in erster Linie bin ich für meine eigenen Bedürfnisse verantwortlich.

Dann die Bitte um Offenheit über das Empfinden, um Ideen, Vorschläge.

So etwa?

„Weißt du, andere Paare haben immer noch leidenschaftlich Sex, jeden 2. Abend, oder mindestens 2-3mal pro Woche, hab ich gelesen. Ich brauch das auch öfter. Ich wünsche mir eine Partnerin mit mehr Lust und Leidenschaft.“

Diese Statistik entspricht womöglich eher einer Wunschvorstellung. Es gibt da auch keine Norm. Kein: Das ist normal und das nicht. Im Grunde ist es auch unerheblich, was andere mögen. Es kommt nur darauf an, wie es uns beiden damit geht.

Und Vorsicht, der letzte Satz wirkt verletzend. Er bedeutet: Du bist nicht die richtige für mich.

Besser wäre zu formulieren: Ich wünsche mir mehr Leidenschaft. Was könnten wir dafür tun?

 

Was auch immer wir für Bedürfnisse haben. Sie sind legitim. Alle Bedürfnisse haben ihre Berechtigung denn sie dienen der Lebensenergie.

Doch wir dürfen nicht vergessen: Jedes Gefühl entsteht in uns selbst, jedes Bedürfnis ist unser eigenes, das gerade aktuell ist, weil wir so individuell sind und jeder Mensch gerade etwas anderes wichtig findet.

Genau das gleiche gilt auch für unsere Partnerin, unseren Partner.

Auch er oder sie hat Gefühle und seine eigenen Bedürfnisse, die ihm gerade sehr wichtig sind.

Und: jeder trägt die Verantwortung dafür selbst. Der andere mag zwar gerade die Lieblingsstrategie sein noch dazu auf die Art und Weise wie ich es gerade in meinem Kopf habe… doch heißt das nicht, dass er gerade genauso fühlt und dasselbe braucht wie ich.

Der Partner/die Partnerin ist nicht verantwortlich dafür, dass es mir gut geht.

Das bin ich selbst.

Gleichzeitig: Wenn wir einander wichtig sind, will normalerweise jeder gerne dazu beitragen, dass wir uns beide wohl fühlen.

Doch Gedankenlesen würden wir uns zwar wünschen und manche sind überzeugt, sie könnten es. Trugschluss! Geh bitte nicht davon aus, dass du weißt, was sich jemand wünscht. Frag einfach nach.

Und hilf auch deiner Partnerin, deinem Partner, indem du offen aussprichst, was genau du möchtest, was du dir wünschst und was nicht.

 

Zu 4: Bisher war es keine Bitte, sondern eine Forderung, Druck, sogar eine Drohung. Brückenkommunikation kennt keine Forderung, sondern stattdessen steht am Ende die Bitte oder der Wunsch.

  1. Dies geht dann über das Aussprechen von Bitten bzw. Wünschen.

Achtung: keine Forderungen. Jeder ist ein freier Mensch und Druck mag niemand. Unter Druck, Forderung oder Drohung gehen die Türen zu. Sollte doch nachgegeben werden, entstehen womöglich sogar Hassgefühle, auf jeden Fall Groll und immer mehr erkalten die Liebesgefühle.

Also Aussprechen wie es mir geht und was mein Bedürfnis ist (siehe Liste) und dann aussprechen einer möglichst konkreten Bitte bzw. eines Wunsches, mit offenem Ausgang und evtl. dem gleichzeitigen Vorschlag, offen zu sein für weitere Ideen.  Das entlastet und bringt Leichtigkeit hinein.

 

Beispiel für ein Ansprechen aus der Sicht desjenigen, der sich mehr Sex wünscht:

1.Wir haben die letzten 4 Wochen nicht mehr miteinander geschlafen. (Beobachtung)

2. Ich bin frustriert und verunsichert. (Gefühl)

3. Ich frage mich, ob mit unserer Beziehung was nicht in Ordnung ist. (Bedürfnis: Wunsch nach Klarheit, Sicherheit).

4. Ich wünsche mir mehr Leidenschaft, mehr Nähe. (Bitte, Wunsch)

Weiter fürs Zusammenfinden:

  • Wie geht es dir eigentlich damit? (Nachfrage)
  • Wünschst du dir auch wieder mehr Nähe, Zärtlichkeit, Leidenschaft? …
  • Was hättest du für Ideen, dass wir wieder Lust aufeinander bekommen, dass wir wieder zusammenfinden?
  • Wollen wir mal ein Brainstorming machen? Jeder schreibt Wünsche und Ideen auf, ohne dass gleich abgelehnt und analysiert wird.

Da könnte zum Beispiel folgendes herauskommen:

  • Babysitter
  • Paarwochenende
  • Date zu zweit
  • Anfangs nur daliegen und sich spüren, ohne Ziel.
  • Schönen Rahmen schaffen mit Musik und Beleuchtung.

Hilfreich sind auch die folgenden Gedanken:

  • Lass uns unsere Erwartungen runter schrauben.
  • Lass uns die anderen Qualitäten unserer Partnerschaft genauso schätzen.
  • Lass uns doch mal den Fokus setzen auf alles, was miteinander funktioniert und was man aneinander mag.
  • Lass uns  wieder bewusst einzahlen auf’s Gefühlskonto mit viel mehr positiven Botschaften, Komplimenten, Freundlichkeiten.

Und wenn beide das wollen, dann wird es auch was Schönes. Dann findet man Wege zueinander.

Ich wünsch euch ganz viel Erfolg dabei, wieder zusammen zu finden, neugierig aufeinander zu werden, sich gegenseitig echte Wertschätzung entgegenzubringen, neue Leidenschaft zu entdecken, neue, überraschende Strategien ausprobieren. Ganz viel Freude beim Brückenbauen zueinander, zu viel mehr Nähe und Intimität.

Seminar-Tipp für dich: Entspannte Beziehungen leben – ein Seminartag online, live, für deine Beziehungs- und Lebensqualität – auch für die Paarbeziehung. Am 24.9. Samstag.

Mehr Infos dazu unten.

Alles Liebe.

Deine Kerstin von Lichtfinder

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