Genervt und gereizt in der Paarbeziehung

Der macht mich noch wahnsinnig!!!

Was tun, wenn der Partner immer mehr nervt? (Teil 2) Dazu gehört Teil 1 – vorher oder ergänzend – Genervt und gereizt im Alltag und in Beziehungen bzw. von Mitmenschen. Hier geht es vor allem um die Ursachen der Dünnhäutigkeit.

 –  Diesen Text kannst du als Podcastfolge 97  im Lichtfinder Lebensfreude Podcast hören. Kostenlos und überall, wo es Musik gibt. Mehr dazu. 

Wenn der eigene Partner/die Partnerin nervt 

(Fortsetzung von Teil 1)

Schlechte Strategien für den Umgang mit Störungen

Ignorieren:

Versuchen, das was einen stört zu ignorieren ist in der Partnerschaft nicht ratsam. Ansprechen. Doch richtig. Dazu alles zum Thema Brückenkommunikation

Dauerkritisieren, Nörgeln

Schlecht wäre, wenn aus dem Genervt-Sein ein Dauer-Kritisieren, Nörgeln und Jammern wird.  Das vergiftet dann immer mehr die Beziehung.

– Worst Case:

Man ist von Kleinigkeiten irgendwann so genervt, dass man den Blick verliert für die positiven Seiten und darüber den Grund vergisst, warum man überhaupt noch zusammen ist.

Der eine kritisiert und nörgelt nur noch (oft ist das die Frau in der Beziehung) weil wir Frauen uns meist verantwortlich fühlen, etwas zu tun, wir wollen irgendwas bewirken und eigentlich müsste doch der Partner endlich merken, dass einiges schief läuft und auch mal was ändern!

 

Der Kritisierte, oft der Mann, geht entweder zum Gegenangriff über oder übt sich in schweigendem Rückzug. Natürlich gibt es das genauso in die andere Geschlechter-Richtung.

Beide versuchen mit ihrem jeweiligen Verhalten, den anderen zu kontrollieren und zu beeinflussen. Durch Nörgeln, durch Überwachen und Herumkommandieren die einen,

durch Rückzug und Schweigen die anderen.

Beim eisigen Schweiger ist es nur nicht so offensichtlich. Doch es ist ein passiv-aggressives Verhalten (meist unbewusst) – um sich zu schützen, um Widerstand zu zeigen, um Kontrolle für sich zurück zu gewinnen.

Kontrollieren, Dominieren: gehört offenbar zu den nervigsten Erfahrungen: Niemand wird gerne überwacht, gegängelt oder herumkommandiert.

Hilfreich zu wissen

Beide haben etwas gemeinsam, wenn sie sich von ihrer schlechten Seite zeigen: sie sind unsicher.

Unsicher, ob die Verbindung noch hält, unsicher, ob mit ihnen selber alles stimmt, unsicher, wie sie alternativ reagieren könnten.

Oft ist es auch ein Gefangensein in den üblichen Mustern. Ein Nicht-aus-der-Haut-Können. „Ich bin halt so“ und „Ich weiß nicht wie ich anders reagieren soll“.

Wenn einen der Partner so nervt, dann hofft man ja heimlich, dass sich der andere endlich ändern würde. Wenn er/sie sich nur endlich ändern würde! Dann wär ich endlich nicht mehr so genervt!

Unterschiedlichkeit nervt – was hilft?

Psychotherapeut und Paarforscher John Gottman schätzt, dass sich 70 % aller Paarprobleme nicht ändern werden. Denn sie entstehen aus der großen Unterschiedlichkeit der beiden Persönlichkeiten, die da zusammengefunden haben.

Es sind fast immer die Unterschiede, die als Ärgernis oder sogar als Angriff wahrgenommen werden.

Der eine möchte in Ruhe lesen und möglichst wenig reden am Morgen. Der andere ist morgens schon früh munter und sucht Kontakt und Austausch.

Der eine braucht Ruhe in seiner Freizeit und Erholung, der andere Abwechslung und Action.

Was beim Kennenlernen positiv anders aufgefallen ist, wird nach der ersten Verliebtheit zum Problem: der vorher so angenehm ruhige Partner wird irgendwann als zu langweilig oder lahmarschig empfunden und der andere vorher so aktive und lebenslustige erscheint plötzlich furchtbar hektisch und ruhelos.

Je besser man diese Unterschiede akzeptieren kann und den anderen dennoch liebt und annimmt, umso harmonischer ist das zusammenleben.

Fatal ist es zu glauben:

Mein Partner müsste die gleichen Bedürfnisse zur selben Zeit haben und die gleichen Vorlieben wie ich. Meine sind normal, seine nicht. Meine sind wichtiger, seine sind weniger wichtig.

Man fragt sich dann: Warum gibt mir das der andere nicht, was ich will? Ist er der verkehrte Partner für mich?

Meist verwechseln wir dann unsere Lieblings-Strategien mit den grundlegenden Bedürfnissen und verbeißen uns in der einen Strategie, die wir haben wollen. (Fehler Nr. 1) und sehen beim Partner die Verantwortung darin, dafür zu sorgen (Fehler Nr. 2)

Merke an der Stelle:

Bedürfnisse haben alle Menschen dieselben. Nur nicht zur gleichen Zeit und in derselben Priorität.

Stell dir ein Bedürfnis vor, wie ein Gefäß, das gefüllt werden will. Um ein Bedürfnis zu erfüllen, gibt es eine Vielzahl von Strategien, nicht nur die eine Lieblingsstrategie!

 

Hilfreich wäre stattdessen:

  • Was brauche ich wirklich (auf der Bedürfnisebene) und welche verschiedenen Wege gibt es, gut für mich zu sorgen?

Hol dir dazu unbedingt meine Gefühls- und Bedürfnisliste zum Download für Klarheit darüber, worum es dir gerade geht.

 

  • Was braucht meine Partnerin in ihrer Unterschiedlichkeit? Kann ich irgendwas dazu beitragen, dass es ihr gut geht?

An welcher Stelle kommen wir beide zusammen und haben das gleiche Bedürfnis? Welche Wege gibt es, die uns beiden gefallen?

Übernimm die Verantwortung für dich 

Jeder ist für sein Glück in erster Linie selbst verantwortlich. Für die eigenen Gefühle und Bedürfnisse.

Denn wenn wir für diese gut sorgen und die Verantwortung für uns selbst übernehmen, dann kommen wir in eine gute Energie und sind dann auch in der Lage, anderen noch etwas zu geben.

Wer gut für andere da sein will, muss erst für sich selbst gut sorgen. Denn wer nichts hat, kann auch nichts geben.

Wer selbst mit sich klar und gut ist, ist dann auch in der Lage, mit ehrlichem Interesse und Neugier dafür, was der andere brauchen könnten. Nicht einfach davon ausgehen, dass er dasselbe möchte, was wir jetzt gerne hätten.

Wahr ist:  JE ÄHNLICHER SICH ZWEI Menschen sind in ihrer Wertorientierung und Persönlichkeit, umso leichter führen sie wahrscheinlich eine Beziehung zusammen.

Je unterschiedlicher sie sind, umso mehr Reibungspunkte gibt es, umso wichtiger ist dann eine gute, konstruktive  Kommunikation und  vor allem eine echte Großzügigkeit und Toleranz gegenüber der Andersartigkeit des Gegenübers.

Dann ist es eine ständige Aufgabe, gut miteinander zu sprechen, sich Freiraum zu gewähren und anzunehmen in der jeweiligen Unterschiedlichkeit.

Aber auch, darauf zu achten, was man miteinander gemeinsam hat und gemeinsam gut kann.  Was es für gute Gründe gibt, aneinander festzuhalten. Denn darauf kann sich die Liebe weiter aufbauen.

So große Unterschiedlichkeit zweier Charaktere ist also nichts ungewöhnliches, wenn es laut Gottman 70 % sind, gibt es mehr unterschiedliche Paare als ähnliche. Das macht Beziehung anstrengender, in jedem Fall herausfordernder. Doch es liegt auch eine größere Wachstumschance für beide darin, wenn sie sich der Herausforderung stellen.

Am besten gelingt es mit einer möglichst wertungsfreien Haltung à la :

„Ah interessant. Ich bin neugierig auf dich. Du bist ein guter Lehrer für mich auf meinem Lebensweg.“

10 Wege heraus aus der Genervt-Falle

  1. Nicht länger in der Opferrolle verharren: den Partner nicht länger verantwortlich machen fürs eigene Glück.
  2. Nicht verlangen, dass der andere die Welt genau so sieht wie man selbst.
  3. Nicht die eigenen Werte und Ansprüche zur Norm machen, an die sich jeder genauso halten muss.
  4. Für sich selbst und die eigenen Bedürfnisse gut sorgen.
  5. Dadurch ins eigene Gleichgewicht kommen.
  1. An sich selbst arbeiten: du bist die einzige Person, die du verändern kannst Die eigenen Schattenseiten annehmen und hinderliche Muster transformieren in hilfreiche
  2. Keine Absicht unterstellen (oder Respektlosigkeit, Gleichgültigkeit…)

„Der macht das doch absichtlich!“ (Schnarchen!!!)

  1. Der andere macht es FÜR sich und nicht GEGEN mich: das meiste davon macht er sowieso völlig unbewusst.
  2. Den anderen in seiner Individualität respektieren und dafür lieben.
  3. Manches mit sich selbst ausmachen, Wichtiges auf gute Weise ansprechen. Stichwort Brückenkommunikation!

Die nächste geplante Folge:  Wie kann ich ansprechen, was mich stört –  in 4 Schritten. Das sind die Basics der Brückenkommunikation, die uns zueinander finden lässt.

 

Affirmationen für DICH:

  • Ich übernehme die volle Verantwortung dafür, wie es mir geht.
  • Ich bestimme meine Reaktion.
  • Ich verdiene es, dass ich gut für mich sorge.

Wie wäre es, in den kommenden Tagen folgendes auszuprobieren:

Wenn es gewohnt eng wird ums Herz:

Innehalten, tief durchatmen. „Ah, interessant!“ denken.

Denn Unterschiedlichkeit ist normal, interessant und kann sehr bereichernd sein.

Deine Kerstin Bulligan

vom Lichtfinderlebensfreude Podcast

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